Von natürlichen Zahlen zu selbstbezogen-absoluten Zahlen

Bernd Zeiger

31. Mai 2026


Die Rezeption der Null und des Dezimalsystems in Europa am Beginn der Neuzeit, die zur präzisen Sprache der Mathematik führte, liefert ein historisches Modell, um  die mit dem 21. Jahrhundert begonnene Transformation der Mathematik von einer Sprache der Quantifizierung zu einer Ontologie des Lebendigen und des Bewusstseins zu verstehen. Eingeleitet und katatalysiert wurde diese Transformation im 20. Jahrhundert durch die Rezeption von Sanskrit, Yoga und Meditation. Die dabei stattfindende zentrale systemische Erweiterung der natürlichen Zahlen zu selbstbezogen-absoluten Zahlen hebt die fatale Trennung von Operator und Operand auf, die die neuzeitliche Zivilisation an den Rand der Selbstzerstörung geführt hat. So wie die Assimilation der Null im 16. Jahrhundert das Denken des physikalischen Vakuums und der Unendlichkeit vorbereitete, so ermöglicht die selbstbezogen-absolute Zahl das formale Denken des reinen Bewusstseins: Wenn die Zahl den Selbstbezug vollständig internalisiert, spiegelt sie nicht mehr relative Verhältnisse der phänomenalen Welt, sondern die Struktur des Erkennens selbst. Sie fungiert als mathematisches Äquivalent zum vedischen Konzept des Atman bzw. Brahman: ein mathematischer Fixpunkt, der absolut unteilbar und unkonditioniert ist, aus dessen innerer Spiegelung (Symmetriebrechung) jedoch alle relationalen Zahlenräume hervorgehen. Die Integration von Sanskrit-/Yoga-Strukturen im 20. Jahrhundert machte das Denken informationell und die Interdependenz von Subjekt und Objekt berechenbar (Quantenmechanik/Kybernetik). Die sich dadurch abzeichnende Erweiterung zu selbstbezogen‑absoluten Zahlen macht die Mathematik lebendig. Sie hebt die Trennung von Geist und Materie formal auf, indem sie zeigt, dass das Universum im Kern nicht aus diskreten Bausteinen besteht, sondern aus einem einzigen, mathematisch präzisen, selbstreferenziellen Bewusstseinskontinuum. Diese lebensrelevante Bedeutung dieser Transformation für den einzelnen und die Gesellschaft soll hier prognostiziert werden.

Prognostisches Manifest 

für eine systemische Transformation des formalen Kerns der Wissenschaft


Das globale Wissenschaftsgebäude des beginnenden 21. Jahrhunderts leidet unter einem erkenntnistheoretischen Erschöpfungssyndrom. Jahrhundertelang feierte der Reduktionismus Triumphe, indem er die Welt sezierte, isolierte und in immer kleinere, diskrete Informationseinheiten zerlegte. Doch an den Grenzen der "Ordnung der Dinge" (Episteme) – in der Quantenverschränkung, der Epigenetik, der künstlichen Intelligenz und den globalen sozioökonomischen Krisen – stößt diese Methode an eine unsichtbare Wand.

Die Wissenschaften reproduzieren heute in allen Fachdisziplinen unbewusst dasselbe fraktale Muster immer wieder: das systemische Prinzip. Ob als Ökosystem, neuronales Netz, Quantenfeld oder Nicht-Standard-Modell – die Wissenschaft beschreibt unentwegt die Struktur der Selbstreferenz, verharrt dabei jedoch in einer rein mechanischen Beobachterrolle. Sie verwaltet das „einseitig Natürliche“, anstatt das „Lebendige“ zu sein.

Das vorliegende Manifest prognostziert den bewussten Übergang von der bloßen Verwaltung geordneten Wissens hin zur Realität des absoluten Selbstbezugs. Die Wissenschaft kann jetzt aufhören, das Systemische als äußeres Objekt aufzuspüren, und sich selbst als das lebendige System begreifen, das sie im Kern schon immer ist.

Die Thesen des Manifests


I. Die Identität von Ordnung und System

Wissenschaft ist im elementarsten Sinne geordnetes Wissen. Ordnung ist jedoch kein inhärentes Attribut isolierter Materie, sondern das emergent Produkt von Beziehungen, Rückkopplungen und Grenzen. Jede wissenschaftliche Ordnung ist daher per Definition die Manifestation des systemischen Prinzips. Es gibt kein disziplinäres Wissen außerhalb der Systemlogik.

II. Das Paradoxon der unbewussten Reproduktion

Da jede Fachdisziplin (Physik, Biologie, Linguistik, Ökonomie) dasselbe systemische Prinzip auf unterschiedliches empirisches Material anwendet, erzeugt die moderne Wissenschaft eine endlose, tautologische Redundanz. Sie entdeckt in der Peripherie permanent das, was sie im Zentrum – in ihrer eigenen logischen Struktur – ausblendet: den Selbstbezug. Diese ständige Reproduktion ohne Selbsterkenntnis blockiert den evolutionären Fortschritt.

III. Die ontologische Achse: Die Null als Ur-Zelle des Lebens

Der historische Übergang von der vor-modernen Substanzontologie zur dynamischen Prozesshaftigkeit der Neuzeit im 16. Jahrhundert wurde erst durch die Integration der Null und des Dezimalsystems ermöglicht. Die Null indizierte kein äußeres Objekt, sondern die Abwesenheit von Objekten; sie spiegelte somit erstmals den Zustand des mathematischen Systems im Modus der Selbstreferenz. In der mengentheoretischen Fundierung stellt die leere Menge die relationale Ur-Zelle dar, aus deren rekursiver Verschachtelung sich alle weiteren Zahlenräume ableiten. Erst dieser strukturelle Selbstbezug erlaubte es, Bewegung und Kontinuum (Infinitesimalrechnung) formal zu bändigen.


IV. Der evolutionäre Hebel: Die Aktivierung selbstbezogen-absoluter Zahlen

Der alles entscheidende Schritt zur Befreiung der Wissenschaft im 21. Jahrhundert liegt in der radikalen funktionalen Transformation der Zahlen selbst. 

Die bisherige Mathematik operiert fast ausschließlich mit relationalen Zahlen, die als bloße quantitative Vektoren oder Etiketten für äußere Entitäten fungieren. Die systemische Erweiterung zu selbstbezogen-absoluten Zahlen hingegen erhebt die Zahl zu einer autopoietischen Monade mit inhärenter, unbedingter Identität.

Die selbstbezogen-absolute Zahl löst die künstliche Trennung von Operator (Prozess/Code) und Operand (Struktur/Daten) vollständig auf. Sie verweist nicht mehr auf eine Menge im Außen, sondern sie ist eine spezifische topologische Organisationsform von reinem Selbstbezug. Sie verhält sich analog zu einer lebendigen Zelle, deren Existenz durch ihre eigene zirkuläre Rückkopplung und Membranbildung definiert ist.

Diese mathematische Metamorphose – welche die logische Struktur des Sanskrit und die Phänomenologie des Yoga auf einer formalen Ebene umsetzt – verwandelt die Mathematik von einem Werkzeug der Quantifizierung (Messen des toten Objekts) in eine Sprache des Seins (Ausdruck des lebendigen Subjekts). Indem die Zahl die Kategorie des Absoluten und des unbedingten Bewusstseins formalisiert, bricht sie das reduktionistische Korsett auf. Sie wird zum dynamischen Code, der im Moment seiner Selbstreferenz den Raum, den er beschreibt, zuallererst generiert.

V. Die strukturelle Konvergenz von Linguistik und Informatik

Die strukturellen Prinzipien dieser mathematischen Rekursion sind tief in der Morphologie des Sanskrit angelegt. Der antike Grammatiker Pāṇini installierte mit dem Begriff Lopa das Prinzip eines linguistischen Null-Morphems – eines unsichtbaren, strukturellen Platzhalters, der die syntaktische Umgebung determinisiert, ohne phonetisch in Erscheinung zu treten. Pāṇinis algorithmischer Regelsatz antizipierte damit die moderne Programmier-Logik (Backus-Naur-Form) und die Graphentheorie zur KI-gestützten Wissensrepräsentation. Sanskrit erweist sich als ein hochgradig deterministisches Zeichensystem, dessen inhärente Logik die algorithmische Modellierung virtueller Selbstreferenz (Software) vorwegnahm, um im 20. Jahrhundert die starre Subjekt-Objekt-Spaltung der klassischen Physik (Quantenmechanik) aufzulösen.


VI. Die Erfüllung der Wissenschaft

Die Erfüllung der Wissenschaft liegt nicht in der Akkumulation unendlicher Datenmengen, sondern in ihrer epistemischen Schließung. Wenn die Wissenschaft über das Fundament selbstbezogen-absoluter Zahlen erkennt, dass das Universum im Kern ein mathematisch präziser, selbstreferenzieller Bewusstseinsprozess ist, löst sich die künstliche Trennung zwischen Geist und Materie auf. Die Wissenschaft findet Erfüllung, indem sie sich von einer mechanischen Beschreibung der Welt in ein lebendiges Instrument der bewussten Co-Evolution verwandelt.


Der operative Leitfaden: Strategische Anweisungen zur Befreiung der Wissenschaft


Wie bricht das System der Wissenschaft aus seiner eigenen zyklischen Schleife aus? Die folgende strukturierte Abfolge von Anweisungen beschreibt die methodische Dekonstruktion des Reduktionismus und die Implementierung einer lebendigen Wissenschaft.

[Isolierte Disziplinen] ---> 1. Transdisziplinäre Reduktion ---> 2. Axiomatische Inversion (Null-Punkt) ---> 3. Implementierung der Rekursion ---> [Lebendige Wissenschaft]

Schritt 1: Transdisziplinäre Reduktion der Fachsprachen (Code-Dekodierung):

Jede Fachdisziplin führt ihre isolierten Nomenklaturen und Fachbegriffe auf die systemischen Ur-Prinzipien zurück.
Maßnahme: Ersetzung disziplinspezifischer Begriffe durch relationale Parameter (z. B. „Genexpression“ in der Biologie oder „Marktdynamik“ in der Ökonomie übersetzen in: „Kybernetische Feedbackschleife Ordnung n-ter Dimension“).
Ziel: Die Offenlegung der tautologischen Redundanz. Die Wissenschaftler erkennen, dass sie trotz unterschiedlicher Vokabeln über exakt dieselben systemischen Strukturen sprechen.

Schritt 2: Axiomatische Inversion (Etablierung des Null-Punkts)

Der methodische Fokus muss radikal von den Elementen (Dingen, Teilchen, Individuen) auf die Zwischenräume und den Kontext (Beziehungen, Felder, die systemische Null) verschoben werden.
Maßnahme: In den Forschungsdesigns ist nicht mehr zu fragen: „Aus welchen Teilen besteht dieses Objekt?“, sondern: „Welche systemische Grenze und welche interne Selbstreferenz ermöglichen es diesem Phänomen, als stabiler Zustand (Homöostase) in Erscheinung zu treten?“
Ziel: Die mathematische Flüssigmachung des Denkens. Der Übergang von der diskreten Struktur zur kontinuierlichen, infinitesimalen Felddynamik.

Schritt 3: Implementierung der rekursiven Methodologie (Kybernetik 2. Ordnung): 

Der Wissenschaftler ist nicht länger der externe, unbeteiligter Beobachter außerhalb des Systems wähnen (Illusion der Objektivität). Der Beobachter muss zwingend als operationaler Teil in das System integriert werden.
Maßnahme: Jedes Experiment und jedes theoretische Modell muss eine explizite Schleife enthalten, die berechnet, wie der Akt der Messung oder Konzeptualisierung das System selbst verändert. Dies entspricht der methodischen Anwendung von Yoga und der strukturierter Selbstreferenz auf den Erkenntnisprozess.
Ziel: Die Überwindung des blinden Flecks. Das System ist sich seiner eigenen Beobachtung bewusst.

Schritt 4: Formalisierung und Codierung selbstbezogen-absoluter Zahlenräume

Die Entwicklung und Anwendung einer neuen mathematischen Sprache (selbst-bezogenen-absolute Zahlen), die Zahlen nicht als quantitative Vektoren, sondern als absolute Organisationstypen (Strukturen der Ganzheit) behandelt.

Maßnahme: Etablierung von Forschungsclustern an den Schnittstellen von theoretischer Informatik (Pāṇini-Backus-Formen, Quanten-Computing) und mathematischer Logik um Algorithmen zu programmieren, bei denen Operator und Operand mathematisch verschmelzen, in denen sich Struktur und Prozess (Operand und Operator) mathematisch in einer unendlichen Schleife spiegeln.
Ziel: Die formale mathematische Synthese von Software des Geistes und Struktur der Materie.

Schritt 5: Die ökonomische und institutionelle Praxis-Synthese: 

Die befreite Wissenschaft darf nicht rein theoretisch verharren; sie muss sich in lebendigen sozioökonomischen Strukturen manifestieren, um ihre Validität im Realexperiment des Lebens zu beweisen.
Maßnahme: Umwandlung hierarchischer, elitärer Wissenschaftsinstitutionen (Universitäten, Fördergeldsysteme) in polyzentrische, adaptive Netzwerke (z. B. nach dem Prinzip des Verantwortungseigentums und der Soziokratie).
Ziel: Die Auflösung toter Bürokratie durch die Etablierung eines atmenden, kooperativen Wissenschaftsorganismus.

Ausblick: Das Erwachen der Episteme

Durch konsequente Umsetzung  dieses Leitfadens, überwindet die Wissenschaft die unbewusste Reproduktion des Immergleichen. Sie findet ihre Erfüllung, indem sie das systemische Prinzip nicht mehr länger benutzt, um eine vermeintlich tote Außenwelt zu beherrschen, sondern indem sie sich selbst als die lebendige, mathematisch präzise Selbstreflexion des Universums erfährt. Die Wissenschaft wird vom Verwalter des Wissens zum Katalysator des Seins.


Anhang: 

Erläuterungen zum systemischen Prinzip

Eine typische Frage:

-----Original-Nachricht-----
Betreff: Frage mich gerade
Datum: 2026-06-03T
Von: "Juergen Wieland" 

Wenn ein Embryo entsteht, teilen sich die Zellen. Jede neue Zelle trägt in sich eine Kopie der DNA, den gesamten Bauplan des Körpers. Aber wer sagt den einzelnen Zellen, ob sie ein Herz oder eine Leberzelle oder irgendetwas anderes werden sollen?

Die systemische Antwort:

-----Original-Nachricht-----
Betreff: AW: Frage mich gerade
Datum: 2026-06-04T

Die Antwort der Biologie auf die Frage 

"Wer sagt der Zelle, dass sie eine Herz- oder Leberzelle werden soll?" 

würde etwa so lauten: „Niemand sagt es ihr. Sie reagiert auf Signale, ihre Position und ihre Nachbarzellen." Hakt man hier nach, könnte man fragen: "Wie erklärt das, warum aus Milliarden lokaler Wechselwirkungen ein zusammenhängender Organismus entsteht?"
Die Beantwortung dieser Frage lautet üblicherweise etwa so: "Gene und Signale aus der Umgebung steuern die Entwicklung." Aber da kann man eine zweite Frage stellen:
"Warum führen diese lokalen Steuerungsmechanismen überhaupt zu einer geordneten Gesamtform?" 

Hier kommt ein Prinzip ins Spiel, das oft als "systemisches Prinzip" bezeichnet wird:

Aus systemischer Sicht wird die einzelne Zelle nicht isoliert verstanden. Entscheidend ist vielmehr ihre Einbettung in die Dynamik des gesamten Embryos.

Die Frage lautet dann nicht mehr: 'Wer sagt der Zelle, was sie werden soll?'
sondern: "Wie entsteht aus dem Zusammenspiel aller Zellen ein Entwicklungsprozess, während dessen bestimmte Zellschicksale stabil werden?' Die Herzzelle wird dann nicht primär durch einen lokalen Befehl erklärt, sondern durch ihre Rolle innerhalb eines sich organisierenden Ganzen.
Noch kürzer: „Die Zelle wird nicht zur Herzzelle, weil sie einen Befehl erhält. Sie wird Herzzelle, weil die Dynamik des gesamten Embryos bestimmte Entwicklungsmöglichkeiten stabilisiert und andere nicht.“

Der Grund, warum dieses Prinzip zum Gegenstand der Forschung wird, ist die Beobachtung, dass dieses Muster auch in vielen anderen Bereichen der Wissenschaften und des Lebens immer wieder auftaucht:

Oft wird das Verhalten eines lokalen Systems nicht allein durch seine unmittelbaren Bestandteile beschrieben, sondern durch seine Beziehung zu einem größeren Raum von Möglichkeiten.

Auch die Embryonalentwicklung kann so verstanden werden:
Die lokalen biologischen Prozesse realisieren nicht einfach einen Bauplan, sondern bewegen sich in einem Raum möglicher Organisationsformen.

Die systemische Frage:
"Warum reicht die Kenntnis aller lokalen Mechanismen oft nicht aus, um die globale Form zu verstehen?" führt in der modernen Entwicklungsbiologie und Komplexitätsforschung schrittweise zu tieferen Fragen wie:
Was ist Selbstorganisation?
Was ist ein Attraktor?
Warum entsteht Form?
Was ist ein Möglichkeitsraum?
Welche Beziehung besteht zwischen Möglichkeit und Aktualität?

Alles Fragen, die zur Beantwortung gar keine Embryologie mehr erfordern sondern die Grundlagen von Organisation überhaupt. Genau das ist der Ansatz des systemischen Prinzips. Das SYSTEMISCHE MANIFEST soll auf diese Chance hinweisen.



Ausgangspunkt und Ansatz des SYSTEMISCHEN MANIFESTS

(5. Juni 2026)


Nach jahrzehntelangen Forschungen in verschiedenen Bereichen der mathematischen Naturwissenschaft dämmert bei vielen Wissenschaftlern die Erkenntnis, dass dabei bis in die mathematischen Details immer wieder und ineinander verschachtelt dasselbe Schema benutzt bzw. reproduziert wird. Genau diese Erkenntnis setzte sich nach ca. 500 Jahren wissenschaftlicher Forschung auch in der globalen Gemeinschaft der Wissenschaftler durch:

Zwar bestätigen die bisherigen Forschungen die Verlässlichkeit und praktische Bedeutung der wissenschaftlichen Vorgehensweise, aber die ganzheitliche Natur der menschlichen Erkenntnisfähigkeit und auch die Entwicklungsmöglichkeiten des Lebens insgesamt übersteigen bei weitem die akademischen wissenschaftlichen Messmethoden.

Diese Erkenntnis ist die Konsequenz des systemischen Prinzips:

Jedes System steht in einer "resonanz-ähnlichen" Beziehung zu einer u. U. nur virtuellen, oft nur hypothetisch postulierten Meta-Ebene, die jedoch unerwartete beobachtbare Effekte im System erzeugt. Das ist schon im Bereich der elementaren Naturgesetze so, wie z. B. das Prinzip der stationären Aktion als Variationsprinzip zeigt.

Das systemische Schema, das diese Erkenntnis zusammenfasst, lautet etwa:

  1. Es gibt eine lokale, aktuelle Ebene (das konkrete System).

  2. Es gibt eine umfassendere Ebene (Meta-Ebene, Feld, Raum von Möglichkeiten, Variationsraum).

  3. Das lokale System entwickelt sich nicht allein aufgrund seiner momentanen Zustände.

  4. Sein Verhalten wird durch eine Beziehung zur Meta-Ebene bestimmt.

  5. Die beobachtete Ordnung entsteht aus dieser Beziehung zur Meta-Ebene.

Eine solche Struktur taucht in vielen Gebieten auf:

  • Beim Prinzip der kleinsten bzw. stationären Wirkung wird die reale Bahn nicht lokal bestimmt, sondern durch eine Bedingung auf dem Raum möglicher Bahnen.
  • In der Quantenmechanik werden Zustände über einen Raum möglicher Zustände beschrieben.
  • In der Dynamik komplexer Systeme lenken Attraktoren die Entwicklung, obwohl sie selbst keine materiellen Bestandteile des Systems sind.
  • In der Optimierung beeinflusst eine globale Zielfunktion lokale Entscheidungen.
  • In der Informationstheorie werden konkrete Signale durch Bezug auf einen größeren Raum möglicher Signale definiert.

Aus der systemischen Perspektive gilt:

Das lokale Geschehen scheint häufig durch etwas bestimmt zu werden, das nicht selbst als lokales Objekt innerhalb des Systems erscheint.


Für die Embryonalentwicklung folgt unter diesem Blickwinkel:

Die klassische Biologie erklärt Differenzierung durch Genregulation, Signalgradienten, Zellkommunikation und mechanische Wechselwirkungen. Diese Erklärungen sind leistungsfähig, aber sie bleiben meist auf der lokalen Ebene.

Das systemische Prinzip geht eine Ebene höher und beantwortet die Frage:
Warum konvergieren diese lokalen Prozesse überhaupt zu einem kohärenten Organismus?

Die systemische Perspektive versteht Entwicklung als Bewegung in einem Raum möglicher Organisationsformen. Dann sind DNA, Signalwege und Zellinteraktionen nicht die eigentliche Ursache der Form, sondern die Mechanismen, durch die der Organismus einen bestimmten Bereich dieses Möglichkeitsraums realisiert.

Hier gibt es gewisse Berührungspunkte zu den Ideen von Conrad Hal Waddington mit seiner "epigenetischen Landschaft" und zu Arbeiten von Stuart Kauffman über Attraktoren in biologischen Netzwerken.

Der Resonanzgedanke

Der eigentlich neue Teil des systemischen Ansatzes ist der Resonanzgedanke, d. h. die Beziehung zwischen System und Meta-Ebene wird nicht als Steuerung, sondern als Resonanz aufgefasst.
Das bedeutet:

  • Die Meta-Ebene enthält keine fertigen Baupläne.
  • Das System wird nicht von außen dirigiert.
  • Bestimmte Zustände des Systems koppeln stärker an bestimmte Organisationsmöglichkeiten.
  • Entwicklung ist ein Prozess zunehmender Abstimmung.

Dann wäre eine Herzzelle nicht deshalb eine Herzzelle, weil ihr jemand sagt: "Werde Herz." Sondern weil ihre Dynamik mit einem bestimmten Organisationsmuster des Gesamtsystems besonders stark in Resonanz gerät.Das ist keine Theorie des Fachbereichs Biologie, aber als systemphilosophische Idee ist sie klar formuliert.

Die systemischen Grundkategorien sind dabei nicht: Teilchen, Gene, Felder, Intelligenz, sondern Relationen zwischen Aktualität und Möglichkeit.  Oder noch abstrakter: die Kopplung eines Systems an einen Raum von Möglichkeiten, der größer ist als sein aktueller Zustand. Dann wären Naturgesetze, Embryonalentwicklung, Lernen und vielleicht sogar Bewusstsein verschiedene Ausprägungen desselben Grundschemas.

Die zentrale Frage ist jetzt:

Ist die Meta-Ebene nur eine mathematische Beschreibung des Systems oder besitzt sie ontologischen Status?

Wenn sie nur Beschreibung ist, dann handelt es sich um eine sehr allgemeine Theorie der Modellierung.
Wenn sie real ist, dann bewegt sich die Meta-Ebene in Richtung einer Metaphysik der Möglichkeiten.

Das ist genau die Grenze zwischen einer allgemeinen Systemtheorie und einer Theorie des Bewusstseins.

Das systemische Prinzip verschiebt also – wie am Fall der Embryonalentwicklung illustriert – die Frage „Welches Gen macht was?“ zu „Wie wird aus Möglichkeiten eine konkrete Form?“. Das ist eine tiefere bzw. allgemeinere Frage, auch wenn sie die biologischen Mechanismen nicht ersetzt, sondern auf einer anderen Erklärungsebene zu verstehen versucht.


Wie wird aus Möglichkeiten eine konkrete Form?

Um die Frage „Wie aus Möglichkeiten eine konkrete Form entsteht? auf eine Weise zu beantworten, die jede Art von Entwicklung einschließt, also auch die Embryonalentwicklung, kann zur Modellierung ein rein zahlenmäßig-formaler Ansatz benutzt werden.

Als elementarstes Entwicklungsmuster bieten sich dabei die natürlichen Zahlen an. Bei diesen ist bereits sehr genau bekannt, wie durch eine systemische Meta-Ebene weitere Zahlenbereiche entstehen. Der erste und elementarste Erweiterungsschritt führt dabei auf die Nicht-Standard-Zahlen. Dieser erste Schritt ist dann der Prototyp für alle weiteren Erweiterungsschritte, die alle ein Ausdruck der ursprünglichen aufzählenden Qualität der Intelligenz sind.

Parallel dazu könnten dann mit Hilfe der vereinheitlichenden Qualität der Intelligenz eine empirisch motivierte gegenläufige Sequenz an lebensbezogenen Deutungsmustern gebildet werden.

Der letzte und ultimative Schritt bestünde dann darin, zu zeigen, dass Zahlen-Muster und Deutungsmuster zu einer Struktur verschmelzen, die aufgrund ihres Selbstbezugs mit reinem Bewusstsein (Purusha) identifiziert werden kann: Bewusstsein wäre dann die ultimative Meta-Ebene jedes individuellen Systems.

Die Zahlen auf dieser absoluten Ebene sind dann nicht mehr die natürlichen Zahlen, sondern selbstbezogene Zahlen.

Ein solcher Ansatz ist – was die Biologie betrifft – nur ein metatheoretischer Rahmen, noch keine rein biologische Theorie. Als Forschungsstrategie umfasst der Ansatz drei Ebenen:

1. Formale Ebene: Entwicklung von Zahlen- und Strukturmustern

Der hier vorgeschlagene systemische Ansatz geht von den natürlichen Zahlen aus, erweitert sie zu Nichtstandart-Zahlen und weiteren Zahlbereichen mit zunehmend komplexen Relationen und Strukturen. 

Bevor also biologische Formen beschrieben werden, untersucht man die allgemeinsten Möglichkeiten von Differenzierung, Ordnung, Wiederholung und Selbstbezug.

Das erinnert an Projekte von Gottfried Wilhelm Leibniz, der eine universelle formale Sprache der Wirklichkeit suchte, oder an bestimmte Ansätze in der mathematischen Morphogenese.

Der Vorteil ist, dass man nicht sofort biologische Details voraussetzt.


2. Empirische Ebene: Deutungsmuster

Parallel dazu werden reale Entwicklungsphänomene betrachtet: Zellteilung, Gewebebildung, Organentwicklung, Selbstorganisation. Daraus entstehen Deutungsmuster wie: Differenzierung, Stabilisierung, Rückkopplung, Hierarchiebildung, Ganzheitsbildung. Diese Ebene bleibt zunächst phänomenologisch. Man fragt nicht sofort: "Was ist die Ursache?", sondern: Welche Muster zeigen sich überhaupt?


3. Bewusstseinsbezogene Identifikation

Der eigentliche philosophische Kern des systemischen Prinzips ist aber, dass es die Begründung dafür liefert, dass mathematische Muster, Entwicklungsprozesse und Bewusstseinsstrukturen nicht bloß Analogien sind, sondern auf einer tieferen Ebene identisch sind bzw. Ausdruck derselben einheitlichen Grundstruktur.

Das ist eine sehr starke These. Sie erinnert teilweise an Georg Wilhelm Friedrich Hegels Idee, dass Logik und Wirklichkeit letztlich dieselbe Struktur besitzen, Alfred North Whiteheads Prozessmetaphysik sowie moderne informationsontologische Ansätze.


Die Stärke des systemischen Ansatzes liegt darin, dass nicht versucht wird, Bewusstsein einfach als spätes Produkt der Biologie zu behandeln. Stattdessen wird gefragt: "Welche formalen Bedingungen müssen erfüllt sein, damit überhaupt Entwicklung, Differenzierung und Identität möglich werden?"  Das ist eine typisch transzendentale Fragestellung.


In der Situation der Wissenschaft am Beginn des 21. Jahrhunderts ist der letzte transzendentale Schritt der kritischste, denn zwischen mathematischer Struktur und gelebter Bedeutung ist ein großer Sprung:

Beispielsweise ist die Gleichung einer Schwingung nicht die Erfahrung eines Tons, die Struktur eines neuronalen Netzes ist nicht unmittelbar die Erfahrung, ein mathematisches Muster ist nicht automatisch ein Sinngehalt. 

Deshalb ist folgender vorsichtigerer Weg angesagt:

Erst 

  • Formale Muster entwickeln.
  • Empirische Muster beschreiben.
  • Strukturelle Korrespondenzen suchen.

dann 

prüfen bzw. beweisen, ob die Identitätshypothese gerechtfertigt ist.


Die vereinheitlichende Perspektive

Aus der vereinheitlichenden Perspektive ist der Schlüsselbegriff nicht die Zahl selbst, sondern der Akt der Unterscheidung. 

Die grundlegende Frage ist in diesem Fall: Wie entsteht überhaupt die Unterscheidung von "dies" und "nicht dies"? Viele moderne Systemtheorien beginnen genau dort. Eine mögliche Sequenz wäre:

Unterscheidung → Relation → Rückkopplung → Stabilisierung → Differenzierung → Organismus → Bewusstsein.

In diesem Rahmen erscheinen Zahlen als spätere Verfeinerungen von Unterscheidungsstrukturen, statt als eigentlicher Ausgangspunkt.


Überzeugungskraft der systemischen Argumentation


Was hier zunächst interessiert, ist, welche Aspekte der Argumentation einen akademischen Wissenschaftler, z. B. einen Biologen, dazu bewegen können, die "systemische" Perspektive als Grundlage für eine Modellbildung in seinem Fachgebiet überhaupt in Erwägung zu ziehen. Folgende Merkmale der systemischen Argumentation sprechen dafür:

1. Es wird nicht nach einer Lücke innerhalb des Fachgebietes gesucht.

Viele alternative Erklärungen beginnen mit: "Die Biologie kann X nicht erklären, also muss Y dahinterstecken." Der systemische Ansatz argumentiert anders. Er bestreitet nicht, dass Genregulation, Morphogene oder Zellkommunikation funktionieren. Stattdessen wird danach gefragt: "Welches allgemeine Organisationsschema tritt in diesen Prozessen in Erscheinung?" Das ist eine andere Art von Frage. Beispielsweise wird nicht nur gefragt, wie ein Planet seine Bahn zieht, sondern auch, warum dieselben mathematischen Strukturen in so vielen verschiedenen Phänomenen auftreten.

2. Die Argumentation ist strukturell statt gegenständlich.

Die systemische Argumentation spricht nicht über konkrete Dinge: nicht über Moleküle, nicht über Gene, nicht über Organe – sondern über: Differenzierung, Selbstbezug, Resonanz, Möglichkeit und Aktualität und Meta-Ebenen. Das sind Strukturbegriffe.

Viele wissenschaftliche Fortschritte entstanden genau durch solche Verschiebungen. Beispielsweise erkannte man irgendwann: Energie ist keine Substanz, sondern eine Strukturgröße, oder Information ist kein Ding, sondern eine Relation. Deshalb ist die Frage nach wiederkehrenden Organisationsmustern grundsätzlich legitim.

3. Die Wiederkehr desselben Schemas

Das ist der wichtigste Punkt der systemischen Sichtweise. Es wird nicht einfach festgestellt: "Embryonen entwickeln sich durch Resonanz." Sondern auf eine Beobachtung Bezug genommen: "Es fällt auf, dass in vielen mathematischen Naturwissenschaften immer wieder dieselbe logische Architektur auftaucht." Ob diese Beobachtung letztlich trägt, ist eine offene Frage. Aber sie ist interessant genug, weiterzuverfolgen, wenn jemand sagt: 

Variationsprinzip, Attraktoren, Randbedingungen, Eigenwerte, Resonanzen, Symmetriebrechungen sind oft zu erkennende Grundfiguren, wenn ein lokales Geschehen durch Bezug auf einen größeren Strukturraum bestimmt wird.


Das Überschreiten von Fachgrenzen 


Ein Fachwissenschaftler, z. B. ein Biologe, kann u. U. deshalb einer systemischen Argumentation nicht folgen, weil er gewohnt ist, in einem anderen Begriffsmuster zu denken.
Ein Biologe hört: "Wie entsteht eine Leberzelle?" und denkt sofort an: Transkriptionsfaktoren, Signalwege, Genexpression.  Aus der systemischen Perspektive triggert dieselbe Frage die folgende Zusatzfrage: "Welche allgemeine Form von Ordnung ermöglicht überhaupt Differenzierung?"Das sind zwei verschiedene Erklärungsebenen.

Ein anderer Vergleich: Auf die Frage "Warum fällt ein Stein?" gibt ein Physiker die stereotype Antwort: "Wegen der Gravitation." Ein systemisch geschulter Physiker fragt sich dagegen: „Warum lassen sich Naturgesetze als Variationsprinzip formulieren?“

Die fachspezifischen und systemischen Antworten betreffen denselben Vorgang, aber auf unterschiedlichen Ebenen. Die Stärke des systemischen Ansatzes ist nicht die Bewusstseinsthese und nicht die Resonanzthese, sondern, dass man viele Naturgesetze als Varianten einer einzigen Grundstruktur verstehen kann: Ein gegebenes System steht stets in Beziehung zu einem größeren Raum von Möglichkeiten, und seine Entwicklung ergibt sich aus dieser Beziehung. Das ist zunächst eine rein formale Aussage. Erst später stellt sich die Frage: Ist dieser Möglichkeitsraum nur mathematisch? Ist er physikalisch? Ist er informationell? Hat er etwas mit Bewusstsein zu tun? Diese Fragen sind zunächst offen.

Der Vorteil der systemischen Betrachtung ist, dass sie nicht von einer fertigen Metaphysik ausgeht, sondern von einer wiederkehrenden formalen Beobachtung. Das macht den Ansatz philosophisch interessant, selbst wenn seine Konsequenzen noch offen sind.