15. Februar 2026
Die sprachliche Kluft zwischen der Lebenswirklichkeit der Menschen und den Fachsprachen von Biologie, Medizin, Psychologie und Soziologie ist groß.
In Biologie und Medizin wird der Mensch zum „System“ bzw. zum „Patienten“. Die Psychologie versucht Bewusstsein und Gefühle in begriffliche Konstrukte wie „Kognitiv“ oder „Affekt“zu pressen. Die einseitige Fixierung der Soziologie auf Daten und Statistiken ignoriert die verbindende Kraft individuellen Bewusstseins.
Dass Bewusstsein - eine selbst wechselwirkende Realität mit innerer Struktur - nachweisbare Wirkungen hat, wurde erstmals bei der Erforschung des atomaren Bereichs sowie in der Kosmologie zum Thema der Naturwissenschaft. Deshalb hat schon Albert.Einstein vorgeschlagen, in den Präsentationen wissenschaftlicher Erkenntnisse, das Schwergewicht auf dem tatsächlichen Vorgang der Erkenntnisgewinnung zu legen, wie er im Bewusstsein stattfindet und bei allen Menschen gleich ist.
Damit wissenschaftliche Erkenntnisse sofort von jedem Menschen in seine individuelle Lebensgestaltung integriert werden können, bedarf es einer Sprache, die beides zugleich ist: präzise und lebensnah.
Es mehren sich die Hinweise, dass eine solche universelle für die Natur und das Leben gleichermaßen gültige Sprache bereits im Bewusstseins angelegt und jedem zugänglich ist. Es muss dafür nur die geeignete Bedingung geschaffen werden: der unmittelbare Zugang zum absoluten Fundament jeder Erkenntnis, das die moderne Wissenschaft als quantenmechanischen Grundzustand beschreibt.
Was der breiten gesellschaftlichen Assimilation dieser Erkenntnis derzeit entgegenwirkt, ist die mathematische motivierte Terminologie. Weil diese sich bei der experimentellen Erforschung der äußeren Natur bewährt hat, wird sie auch als Maß für den subjektiven Bereich und für den Erkenntnisprozess benutzt: Bereits einfache Worte wie "begreifen" und "urteilen" veranschaulichen die Geisteshaltung die dieser Weltsicht zugrundelegt. Doch die Zweifel an der Lebensrelevanz dieser Weltsicht mehren sich:
- Die wissenschaftlichen Erkenntnisse, denen die Menschheit gegenwärtig eine noch nie dagewesene kulturelle Blüte verdankt, werden an den Schulen und Hochschulen immer noch ohne Bezug auf das im Bewusstsein angelegte absolute Fundament gelehrt, obwohl Erkenntnis dadurch erst möglich ist.
- Wissenschaftliche Veröffentlichungen werden ausschließlich nach dem im objektiven Bereich bewährten Schema verfasst.
- Der strikte Objektbezug führt zur Abtrennung sprachbezogener, philosophischer und historischer Aspekte, die wiederum eine eigene Terminologie haben und eigene Fachzeitschriften.
Im 20. Jahrhundert haben einige konsequente Denker wie K. Gödel und G. Günther das prinzipielle Defizit formaler Sprachen nachgewiesen und damit erste Hinweise auf eine Sprache gegeben, die den Geist von "narrativer Täuschung" befreit, so dass jeder selbst erkennen kann, was in all den Informationen, Kommentaren, Meinungen, Interpretationen und mentalen Konstruktionen Fake ist und was Fakt.
Ausgehend von bewährten Erkenntnissen kann gezeigt werden, wie eine Sprache strukturiert sein muss, die zur Wurzel sicherer Erkenntnis führt. Das zum ganzheitlichen Grundzustand der Sprache im Bewusstsein zurückführende Prinzip ist zwar in jeder Sprache angelegt, aber eine Sprache, die diesen Rückbezug am effektivsten verwirklicht, sollte die Flexibilität der Laute mit zahlenmäßiger Präzision verbinden.
1. Die Schwelle zur Ganzheit
Auf die Frage, woraus jedes Atom und das ganze Universum besteht, geben Gelehrte und auch die gegenwärtige KI etwa folgende Antwort:
Atome bestehen aus drei Hauptarten von Elementarteilchen, sind aber größtenteils zu mehr als 99,9 % leerer Raum. Auch das Universum besteht zu über 99,9 % aus leerem Raum. Sterne und Galaxien sind darin nur kleine Inseln.
Die in der Entwicklung der Physik richtungsbestimmenden Repräsentanten von I. Newton bis hin zu den Pionieren vereinheitlichter Quantenfeldtheorien verstehen unter Raum jedoch etwas ganz anderes, jedenfalls kein„leeren Behälter“:
"Ein leerer Raum ist nicht denkbar ,(denn) er gibt den weltweiten Zusammenhang an.“ (F. Hund: Grundbegriffe der Physik, 1969)
Der Raum als natürliche Realität ist somit ein Beziehungsgefüge, ohne das Objekte gar nicht registriert werden können. Wenn es im Raum keinen Zusammenhang gäbe, könnte keine Information fließen und die Objekte wären für uns nicht existent. Der Raum ist somit nicht das, was Objekte trennt, sondern das, was sie verbindet. Raum ist ein dichtes Netz aus physikalischen Gesetzen und Feldern. Ohne diesen „Zusammenhang“ gäbe es keine Distanz, keine Zeit und keine Wahrnehmung.
Wenn trotzdem Gelehrte von „99,9 % "leerem Raum“ bzw. dem allgegenwärtigen Vakuum sprechen, liegt ein sprachliches Defizit vor, das dringend behoben werden sollte, damit die vom Schulsystem gelehrten Sprachen - Mathematik, Physik, Biologie, Geschichte u.v.m. - die Welt nicht mehr nur in isolierte Bereiche trennen, sondern dazu beitragen, den Blick für das Ganze fördern.
Das mit dem "Raum"-Begriff verbundene sprachliche Defizit ist zwar seit mehr als 100 Jahren bekannt aber seine sprachliche Behebung hat noch nicht Eingang in das Bildungssystem und damit auch nicht in die Umgangssprache gefunden:
"Tatsächlich spielt das Vakuum in der dynamischen Beschreibung physikalischer Vorgänge eine doppelte Rolle, nämlich einmal als geometrischer Raum und zum anderen als physikalisches System.Den geometrischen Raum, d.h. die Ortskoordinaten, braucht man dabei; um die Teilsysteme zu nummerieren. Der Sinn dieser Nummerierung ist, die Nachbarschaftsverhältnisse, oder mathematisch ausgedrückt, den topologischen Zusammenhang des ausgedehnten Systems in die Hand zu bekommen.(den Schaltplan):Metrische Eigenschaften des Raumes, wie Abstände, Winkel oder auch Geschwindigkeiten usw. also kurzum das was gewöhnlich unter Geometrie des Raumes und der Kinematik der sich in ihm abspielenden Vorgänge versteht, sollte erst eine Folge der Dynamik sein." (G.Falk: Theoretische Physik 1968)
Dieser Anfang des 20. Jahrhunderts entstandene Raumbegriff erweist sich zunehmend als Schlüssel bei der Ablösung der herrschenden statistischen Analyse der Lebensphänomene durch eine ganzheitliche, unmittelbar einsichtige bewusstseinsbezogene Begründung der Lebenswirklichkeit..
1.1 Sprache das Betriebssystem des Denkens
Weil die Sprache das Betriebssystem unseres Denkens ist, bedarf es klare Begriffe, die den Zusammenhang fördern. Solange unsere Sprache auf Trennung und Zerstückelung programmiert ist, kann echte Einheit nicht einmal gedacht werden. Was keinen Namen hat, existiert für unseren Geist nicht.
Die Sprache, die das leistet, gibt es bereits. Die Rishis und Maharishis der Vorzeit haben einer Sprache
entwickelt, die die - der gewöhnlichen Wahrnehmung unsichtbaren - Naturgesetze als Eigendynamik des Bewusstseins (Veda) darstellt . Das bestätigen kreative Entwicklungen sowohl in der akademischen Wissenschaft als auch in der sogenannten Außeneiterforschung.
1.2 Die Sprache des dynamische Null-Zustands des Geistes
Die vedische Sprache, die die ganzen Natur bis zum Kosmos als Phänomen des Bewusstsein strukturiert, ermöglicht den Zugang zur gesamten Wirklichkeit, nicht nur objektiv-rational wie in den vereinheitlichten Quantenfeldtheorien, sondern derart, dass jeder Aspekt des Leben einbezogen ist und davon profitiert.
Dazu bedarf es der Kultivierung einer Fähigkeit, die in jedem angelegt ist und traditionell Meditation genannt wird. Durch die dadurch geförderte schrittweise Nullifizierung aller narrativen Täuschungen, erhält der bewusste Geist Zugang zu alle Möglichkeiten des Unterscheidens und Entscheidens, als dem fundamentalen Schwellenzustandes zur gerechten Erkenntnis. Erst dann kann er sich über die ständigen Verdichtungen der Ereigniswelt (ihre "Schwere") erheben und vom Licht der Ganzheit profitierten, das alles erhellt. So wird das Größte durch das denkbar Kleinste, dem "Null-Zustand", zugänglich.
Im Licht des Größten wird alles groß; denn das macht den Geist zunehmend frei von der Gewohnheit ständig das unmittelbar Gegebene zu erklären oder gemäß seinem Willen zu manipulieren Ein „Gelehrter“ zeichnet sich dann dadurch aus, dass er ein "Geleerten" ist. Im Englischen ist dieses Wortspiel nicht möglich, aber dafür gibt es Begriffsbildungen, die diesen Zustand des „leeren“ vorurteilsfreien Geistes umschreiben:„Naked Awareness“ „De-shackling from Narrative Fallacy“, „Zero-Point-Mindset“ , etc.
Für alle, die zunehmend narrative Täuschungen hinter sich lassen, erweist sich die „dynamische Leere“ als Zustand unbegrenzter Klarheit und Fülle der Möglichkeiten.
2. Der Unterschied von Laut- und Zahlensprache
Die denkbar einfachste Unterscheidung ist zwischen „Etwas“ und „Nichts“. Wie sich jedoch diese Unterscheidung im Leben ausdrückt, hängt vom Zustand des Bewusstsein ab.
Die gesprochene Sprache spiegelt auf sehr differenzierte Weise die Abhängigkeit vom Bewusstseinszustand wider, während die Zahlendarstellung die Bewusstseins-Abhängigkeit zunächst nivelliert sie aber dann in einem zweiten Schritt mittels geordneter Beziehungen zwischen den Zahlen - den Rechenoperationen - wieder rekonstruiert.
Für das zahlen bezogene Denken , das hier genauer bezüglich seiner Lebensrelevanz untersucht werden soll, ist also typisch, dass zunächst durch Schaffen von Lücken Feinheiten gelöscht und dann durch die Beziehungen zwischen den Zahlen diese Lücken wieder gefüllt werden. Nirgendwo zeigt sich das so deutlich wie in der statistischen Beschreibung von Lebensphänomenen.
2.1 Die statistische Methode
In
der empirischen Forschung beginnt alles mit einer rigorosen
Vereinfachung. Ein Lebensphänomen wie "Gesundheit",
„Depression“, „Bildung“, „Lebenszufriedenheit“ oder
„Stress“, wird zunächst in beobachtbare Merkmale
übersetzt.
z.B Gesundheit in : 0 = krank, 1 = gesund, Depression: Werte in einem Fragebogen, Bildung: Anzahl der Schuljahre, etc..
Ein kontinuierlich erlebtes, vielschichtiges Phänomen
wird dadurch auf einfache Zahlenwerte reduziert. Dadurch verschwinden
qualitative Nuancen zugunsten zahlenmäßig unterscheidbarer
Kategorien. Nivelliert:wird dabei die Abhängigkeit vom jeweiligen
Bewusstseinszustand. Die individuelle Bedeutung eines
Erlebnisses spielt keine Rolle mehr. Unterschiedliche
Erfahrungsweisen werden unter demselben Zahlenwert subsumiert.
Gefühle werden zu Skalenwerten, Verhalten wird gezählt, Lebensläufe
werden in Variablen übersetzt.
Zahlen machen vergleichbar
– obwohl die inneren Qualitäten völlig verschieden sein können.
Die Zahl löscht die Unterschiede zugunsten formaler Gleichheit.
Die
damit verbundene zahlenmäßige Erfassung ermöglicht es jedoch in
einem zweiten Schritt, Relationen zwischen den Zahlen zu formulieren:
Mittelwerte,Varianzen, Korrelationen, Wahrscheinlichkeiten. Diese
Relationen erzeugen neue Bedeutungsstrukturen.
Findet
man beispielsweise eine Korrelation zwischen Bildungsgrad und
Einkommen entsteht eine interpretierbare Beziehung: „Mehr Bildung
hängt mit höherem Einkommen zusammen.“
Die
zuvor geschaffenen Lücken werden so durch ein Beziehungsgewebe
wieder gefüllt. Aber dieses Gewebe ist kein unmittelbares Erleben –
es ist eine formale Struktur zweiter Ordnung. Die statistische
Methode ersetzt qualitative Sinnzusammenhänge durch mathematische
Relationen.
Diese Vorgehensweise wird besonders bei
Lebensphänomenen angewandt, weil diese komplex, kontextabhängig,
bewusstseinsabhängig und sinnbezogen sind. Durch die Statistik
werden sie standardisiert, isoliert, messbar, sammelbar, und auch
verknüpfbar, sodass durch geeignete Modelle wieder Sinn „erzeugt“
werden kann – allerdings als Wahrscheinlichkeitsstruktur. D.h. die
ursprüngliche Erfahrungsfülle kehrt nicht zurück, sondern wird
durch eine abstrakte Struktur ersetzt.
Beispielsweise wird „Überleben“ zu einer 0/1-Variable, aus der in der medizinischen Statistik durch Überlebenskurven, Hazard-Ratios usw. wieder eine differenzierte Beschreibung von Lebensverläufen entsteht.
Zunächst werden also in der Statistik qualitative Differenzen auf diskrete Unterscheidungen reduziert (Zahlenwerte). Dann wird durch mathematische Relationen und Rechenoperationen eine lebensnahe Struktur rekonstruiert, die die zuvor erzeugte Abstraktionslücken wieder füllt. Die Statistik lebt davon, dass sie erst Wirklichkeit vereinfacht, um sie danach relational wieder anzugleichen::
Erst "Schaffen von Lücken“, dann Füllen der Lücken durch Beziehungen.
Verfahren wie Faktorenanalyse, Strukturgleichungsmodelle und Machine Learning zeigen diesen Mechanismus besonders deutlich: Man beginnt mit diskreten Variablen und konstruiert daraus latente Strukturen, Netzwerke und Muster.
Die statistische Methode beruht also auf einem zweistufigen Transformationsprozess:
1. Operationalisierung
Lebensphänomene werden in messbare Variablen überführt. Dabei verschwindet das konkrete, gelebte Bewusstsein scheinbar – es wird „entleert“.
2. Modellbildung
Gerade das Residuum (das statistisch „Unerklärte“) ist dabei hochinteressant, denn es markiert die Grenze der Modellierbarkeit – dort blitzt Individualität wieder auf.Ebenso sind es die Korrelationen, in denen Lebensbezüge wieder sichtbar werden. Eine Korrelation ist kein Ding, sondern eine Beziehung, und Beziehung ist eine Grundform des Bewusstseins.
Was im ersten Schritt als lebendige Sinnstruktur verloren geht, kehrt im zweiten Schritt als strukturelle Beziehungsordnung wieder – aber nicht mehr als erlebtes Phänomen, sondern als formalisierte Abhängigkeitsstruktur. Das lebensbezogene Bewusstsein verschwindet als Qualität, aber es bleibt wirksam als Relation.
Bewusstsein verschwindet im ersten Schritt, und kehrt im zweiten Schritt als zahlenmäßig fassbare Struktur (Modell) wieder zurück, dadurch dass komplexer Beziehungsgeflechte aufgebaut werden, wobei der gelebten Qualität bestimmte formale Relationen entsprechen.
Die
Statistik löscht zwar subjektives Erleben, aber sie kann nicht
vermeiden, seine Struktur zu reproduzieren,. denn Lebensphänomene
sind relational aufgebaut.und Relationen sind es, die die Statistik
erkennbar macht als formalisierte Struktur von Relationen, während
das ursprüngliche Bewusstsein individuell und sinnhaft ist.
In
diesem Sinne ist Statistik keine Negation des Lebens, sondern eine
Transformation des gelebten Zusammenhang in eine mathematische
Struktur. Allerdings bleibt ein Unterschied bestehen:
Das rekonstruierte Beziehungsgeflecht ist allgemeingültig und probabilistisch, taucht nur als zahlenmäßig fassbares komplexes Beziehungsgeflecht wieder auf aber nicht als unmittelbar Erlebbares,
2.2 Zahlen als Bewusstseinszustände
Wiederholte Unterscheidung → Einheit quantifiziert sich als Vielheit
Beziehungen verbinden Unterschiede
Durch die beziehungsstiftende Transformation im Bewusstsein sind Sprache und Zahl zwei Aspekte der expansiven Qualität,. Das wird Rekursion genannt:
Rekursion → Selbstanwendung der Unterscheidungs- und Beziehungsoperation
Da Bewusstsein aufgrund seiner selbst rückbezüglichen Qualität ständig auf seine Differenzierungen zurückgreifen kann, entstehen geordnete Strukturen bzw. Muster im Bewusstsein: die geordnete Folge sprachlicher Ausdrücke . Auch diese Strukturen stehen nicht außerhalb des Bewusstseins, sondern sind Ausdruck seiner innewohnenden Eigenschaft, alles zu erkennen.
Für diese hier kurz zusammengefasste Eigendynamik des Bewusstseins bietet der Veda das optimalen begriffliche Fundament:
Der elementarste Bewusstseinszustand wird mit Shunya= NULL bezeichnet und ist reine Potenzialität, die Fülle aller Möglichkeiten, „die Leere, die alles enthält“, Bewusstsein vor aller Manifestation.
EINHEIT als Bewusstseinszustand ist die allumfassende Präsenz, die Totalität aller Differenzierung, vedisch Brahm oder Brahman genannt.
Der Übergang zwischen NULL und EINS repräsentiert die Ur-Schwelle jeder Transformation, wo die statische Unterscheidung zur aktiven Entscheidung wird.
In letzter Konsequenz bringen diese drei Aspekte des Bewusstseins die Eigendynamik des Bewusstseins (Veda) zur Erfüllung.
Sprachlich drückt sich die Eigendynamik in folgender Sequenz aus:
Mathematisch erscheint die
Eigendynamik als folgende Sequenz:
Die
klangliche Sprache ist wahrnehmungsbezogen und summarisch. Die
Zahlensprache ist überwiegend Intelligenz-bezogen und zählt die
Komponenten der Objekte.
Das ist die synchrone Geburt der wahrnehmungsbezogenen Vereinheitlichung einerseits und der natürlichen Zahlen als Mittel der Strukturierung des Wahrgenommenen andererseits.
Sprachlaute und Zahlen sind also keine getrennten Darstellungsweisen, sondern zwei "Dialekte" derselben Sprache des Bewusstseins. Der laute-bezogene Dialekt betont das Qualitative bzw. die Beziehungsgeflechte, der zahlenbezogene Dialekt das Quantitative, durch strukturbezogene Lücken Beide entspringen dem Bewusstseins, das sich selbst erkennt und dabei sowohl unterscheidet als auch verbindet – das ewige Wechselspiel von Stille (Śiva) und Dynamik (Śakti), aus dem alle Formen geboren werden.
2.3 Zahlen als Strukturen der Ganzheit
Die elementarste Bewusstseinsschwelle ist zwischen Null und Eins und wird in der vedischen Sprache als Lampe an der Tür = Nyaya - bezeichnet: Zwei Seiten einer Wirklichkeit werden dabei so benannt, dass sie zusammenwirken können. An der Schwelle werden Zahlen lebensrelevant und wird Leben eine zahlenmäßig strukturierte Ganzheit.
Durch diese Operationalisierung erhalten Zahlen eine neue Funktion sie werden zu "Setzungen" d.h. zu Repräsentanten von Entscheidungen.
0 = Nicht-Setzung und 1 = Setzung
Jede Statistik beginnt mit solchen binären Entscheidungen:
Ereignis / kein Ereignis; Erfolg / Misserfolg; vorhanden / nicht vorhanden
Da jedoch Entscheidung ein Akt des Bewusstseins ist; verschwindet Bewusstsein niemals vollständig, es wird nur durch die Zahlensprache auf die elementarste Unterscheidung 0 und 1 reduziert. Auch Lebensrelevanz ist nicht völlig verschwunden , sondern ist in den elementaren Zahlenoperationen implizit enthalten geblieben.
Im ersten Schritt (Operationalisierung) geschieht zwar eine Reduktion:
Lebensphänomen → Variable → Zahl
Aber diese Zahl repräsentiert eine Entscheidung im Erfahrungsfeld, ist also ein Akt von Bewusstsein.
In vedischen Begriffen beruht dieser ganze Prozess auf der Beziehung zwischen Buddhi (Intelligenz) und Puruṣa (reines Bewusstsein), Reines Bewusstsein erkennt sich durch diese Beziehung in Begriffen seiner eigenen Natur (Prakriti). Diese Selbst-Reflexion erzeugt zunächst eine Dualität, aus der dann Vielfalt entsteht, aber immer ohne die Einheit des Bewusstseins zu verlassen. D.h. die Vielfalt ist letztlich nicht mehr getrennt vom bewussten Sein, sondern bildet Strukturen, die auf das ganze Sein bezogen sind, also Strukturen der Ganzheit.
Was diesen Prozess plausibel macht, ist die Bewusstseinsinterpretation der sprachlichen Darstellung des Gegebenen als Einheit von Lauten und Zahlen.
Die Beziehung zwischen den vier Grundrechnungsarten und den Zahlen 0 und 1 ist aus bewusstseinsbezogener Sicht nicht bloß operativ, sondern ontologisch-real. Sie beschreibt den gesamten Kreislauf von Manifestation, Erhaltung, Auflösung und Ruhe:
0 + 1 = 1 (Manifestation)
An der Schwelle, wo die statische Unterscheidung zur aktiven Entscheidung wird, gilt
Addition ist die Entfaltung der 1 in die Vielheit. D.h aus der 1 wird durch wiederholte Addition (+1) die Zahlenreihe geboren. Die 0 ist dabei der stille Zeuge, der jede Addition ermöglicht, ohne selbst zu wachsen .
Subtraktion ist die Rückführung der Vielheit zur Einheit. Sie offenbart: Alle Zahlen sind nur vorübergehende Modifikationen der 1. Die 0 ist das Ziel – die Auflösung aller Bestimmungen.
Multiplikation ist die Selbstbestätigung der 1: 1 × 1 = 1 zeigt, dass das Absolute sich nur selbst bestätigen kann, nicht vermehren. 0 × 1 = 0 zeigt: Ohne Sein keine Intensität. Die Multiplikation ist die Wiederholung des Gleichen, das sich dadurch vertieft (Yagya)
Division ist die Selbstbeziehung der 1.:D.h. 1 : 1 = 1 ist der Ātman, der sich selbst erkennt., 0 : 1 = 0 zeigt: Leerheit kann sich nicht teilen (keine Selbstobjektivierung)., 1 : 0 ist undefiniert – das Absolute kann nicht in Beziehung zum Nichts gesetzt werden.
3. Das Wurzelprinzip
Während die Grundrechenarten lineare Verknüpfungen sind, d.h.sie legen Mengen "nebeneinander"; stapelt das Potenzieren Mengen "ineinander". Dadurch wachsen die Ergebnisse nicht mehr gleichmäßig (linear), sondern explosionsartig.
Potenzieren beschreibt die Verdichtung von Information.z.B: exponentielles (organisches) Wachstum;
Wurzel und Logarithmus sind die Werkzeuge, um das Potenzieren "rückgängig" zu machen, d.h. verdichtete Information zu entschlüsseln. Da eine Potenz aus zwei unterschiedlichen Teilen besteht (Basis, Exponent) gibt es zwei verschiedene Umkehroperationen.
Potenzierung (^)
Logarithmus (log)
Wurzelziehen (√)
Aus bewusstsreinbezogener Sicht besteht ein enger Zusammenhang zwischen den drei Aspekten des Bewusstseins - Ahamkara (Ego); Buddhi(Intellekt) und Manas(Geist) - und den drei Operationen Wurzelziehen, Logarithmieren und Potenzieren,
Potenzieren = ^ = Manas = synthetische Verknüpfung
log = Buddhi = analytische Unterscheidung( "Wie viele Stufen?")
√ = Ahamkāra = reflexive Selbstsetzung ("Was bin ich im Quadrat?")
3.1 Beziehung des Wurzelbegriff zum Logarithmus und zum Potenzieren
Potenzierung als Manas (vergleichender Geist):
Potenz = yˣ
Beispiel: 2³ = 8 (Verknüpfung von 2 und 3)
Die Potenz (^) beantwortet die Frage: "Was ergibt die Vervielfältigung (Verdoppelung)"?
Logarithmus als Buddhi (Intelligenz/Unterscheidungskraft)
Buddhi ist das Unterscheidungsvermögen, die analytische Klarheit: Entsprechend ist der Logarithmus die Antwort auf die Frage; "Wie oft muss die Basis mit sich selbst multipliziert werden?"
log_b(x) sucht den Exponenten (Stufen der Potenzierung)
Der Logarithmus ist analytisch, nicht reflexiv, er differenziert Wachstumsstufen entsprechend wie Buddhi Phänomene unterscheidet.
Beispiel: log₂(8) = 3 (Erkenntnis der dreifachen Verdopplung)
Der Logarithmus (log) beantwortet die Frage: "Wie oft kann ich mich vervielfältigen?
Die Richtung ist vorwärts und imaginativ. In lautlicher Analogie ist das die Bestimmung der Herkunft und Bedeutung der Worte (Dhatus)
Wurzelbegriff als Ich-Prinzip
Die Wurzelbildung ist die Antwort auf die Frage:"Was bin ich in Bezug auf selbstbezogenes Bewusstsein":
√x sucht jenes y, für das x= y·y (Quadrat=Selbstbezug)
Das was das Ich erzeugt ist das Prinzip des sich selbst setzenden Selbstbezugs. Im Veda Ahamkāra genannt. Die Wurzel ist reflexiv selbstbezüglich wie Ahamkāra: "Ich (y) multipliziert mit mir selbst (y) ergebe x" .
Beispiel: √16 = 4, denn 4·4 = 16 (Selbstrelation)
Die Wurzel (√) beantwortet die Frage: Was bin ich quadriert ? Die Richtung ist rückwärts zum Ursprung.
Die Laute und Zahlen umfassende Definition der Wurzel ist also:
Die
Wurzel ist jene Operation des Bewusstseins, die eine komplizierte
Struktur auf ihren irreduziblen Selbstbezug zurückführt, dessen
rekursive Anwendung die Struktur hervorgebracht hat.
Für Sprachlaute:
Wortwurzel = jener Lautkern, dessen Variationen Wortfamilien erzeugt
Für Zahlen:
√x = y, wobei y² = x wobei y die minimale Selbstbezugsgröße ist
3.2 Die √N-Regel in der Statistik
SE = σ / √N bzw. √N = σ / SE
d. h. Zufällige Schwankungen wachsen proportional zu √N und nicht proportional zu N
Oder mathematisch:
Standardabweichung = Wurzel der Varianz
Werden N unabhängige 0/1-Ereignisse aggregiert, wächst die Streuung nicht proportional zu N, sondern nur zu √N. weil sich unabhängige Setzungen teilweise aufheben.
Die Wurzel „holt“ gewissermaßen die lineare Ebene aus der quadratischen Aggregation zurück.- Unabhängigkeit der individuellen Einheiten: Varianz der Summe = Summe der Varianzen (keine Kopplung)
- quadratische Addition der Streuung. Die Varianz wächst linear mit N, aber die effektive Streuung (Standardabweichung) nur mit √N.
Die √N-Regel ist das Maß dafür,
In der kinetischen Theorie (z.B. Brownsche Bewegung, Diffusion) gilt analog:
Die mittlere quadratische Weglänge wächst proportional zur Zeit:
⟨x²⟩∼ t
typische Weglänge ∼ Wurzel t
Das ist exakt dieselbe mathematische Struktur wie in der Statistik; weil auch hier viele kleine, unabhängige Zufallsstöße addiert werden. Jeder Stoß(Wechselwirkung) ist eine elementare Fluktuation und.die Gesamtveränderung entsteht durch quadratische Mittlung..Sowohl in der Statistik als auch bei kinetischer Streuung gilt für viele unabhängige Mikroereignisse die lineare Addition der Varianzen und das Wurzelgesetz für die effektive Streuung
- Physikalisch bedeutet das, dass sich ein Teilchen sich nicht proportional zur Zahl der Stöße bewegt sondern nur proportional zur Wurzel der Stoßzahl.
- Statistisch bedeutet das, dass der Mittelwert nicht mit 1/N stabil wird sondern bereits mit 1/√N.
Es ergibt sich folgender Bezug zur 0/1 Bewusstseinsdynamik:
Elementare Setzungen (0/1) erzeugen Fluktuationen. Diese Fluktuationen addieren sich dynamisch und die „Geometrie“ (Streuung, Distanz, Unsicherheit) entsteht durch dieser Dynamik.
Die √N-Regel ist die emergente Metrik eines Systems aus unabhängigen Differenzen.
d.h. metrische Eigenschaften (hier: Standardabweichung) sind Folge der Dynamik elementarer Prozesse.Der Unterschied zur Physik liegt nicht im mathematischen Kern, sondern im ontologischen Status:
- In der Statistik ist N meist Stichprobengröße.'
- In der Kinetik ist N Anzahl realer physikalischer Wechselwirkungen.
Strukturell ist es derselbe Mechanismus:
Unabhängige additive Mikrodynamik → quadratische Aggregation → Wurzelgesetz auf makroskopischer Ebene.
Die statistische √N-Regel basiert also letztlich auf einer Streuungsdynamik im Raum und steht somit in struktureller Analogie zur kinetischen Streuung (Diffusion, Brownsche Bewegung). In beiden Fällen entsteht die beobachtbare Metrik nicht primär geometrisch, sondern aus der Dynamik unabhängiger Entscheidungen.
3.3 Raum und Statistik
Das moderne Raumverständnis unterscheidet zwei Ebenen:
Raum als Nummerierungssystem (topologische Ordnung, Schaltplan)
Raum als physikalisches System (dynamisch wirksam, metrisch emergent)
Wesentlich
ist dabei, dass Metrik die Folge der Dynamik ist nicht
Voraussetzung.
Die Statistik lässt sich als „geometrischer
Raum“ im Sinne der Nummerierung verstehen. In der angewandten
Statistik beginnt alles mit Variablen; Indizes; Stichprobennummern;
Beobachtungseinheiten: Das ist nichts anderes als ein abstrakter
Koordinatenraum.
Beispiel: Person i; Merkmal j; Zeit t
Diese Indizes erfüllen exakt die Funktion, die dem geometrischen Raum zugeschrieben wird:. nummerieren von Teilsysteme, um Nachbarschaften und Abhängigkeiten erfassen zu können. Eine Datenmatrix ist im Grunde ein topologischer Schaltplan. Ordnung: entsprechend dem „Raum als Nummerierung“.
- Clusteranalyse → Nachbarschaftsgruppen
- Faktorenanalyse → latente Dimensionen
- Netzwerkanalyse → Zusammenhangstruktur
Die
Statistik erzeugt also ein strukturelles Raumgefüge –nicht
physikalisch durch Wechselwirkung, sondern relational.
In der
physikalischen Situation entsteht Metrik aus Dynamik. In der
Statistik passiert etwas sehr ähnliches: Die Varianzstruktur
(Dynamik der Zufallsprozesse) erzeugt Abstände im
Datenraum.
Beispiel: Der euklidische Abstand zweier Beobachtungen ergibt sich aus der Quadratsumme ihrer Differenzen und diese Differenzen sind Ausdruck einer Streuungsdynamik. Das heißt: Die „Geometrie“ des statistischen Raumes wird durch die Dynamik der Daten erzeugt.
Nicht der Raum bestimmt die Beziehungen –
sondern die Beziehungsstruktur erzeugt den Raum. Das ist exakt
analog zur physikalischen Situation: . Metrik ist Folge der Dynamik
(und nicht umgekehrt)
Auch die Doppelrolle des Raum-Begriffs
findet sich in der Statistik:
Physik: geometrischer Hintergrund vs. physikalisch wirksames System
Statistik: Ereignisraum vs. Zufallsvariable, Verteilung, Prozesse
Der Wahrscheinlichkeitsraum ist das „Vakuum“ der Statistik. Er ist: leer als bloßer Ereignisraum aber dynamisch als Träger von Wahrscheinlichkeitsmaßen:
Vakuum und der statistische Hintergrund entsprechen sich.
Wenn 0 und 1 elementare Differenzen sind,dann ist der Wahrscheinlichkeitsraum eine organisierte Struktur solcher Differenzen. Die Statistik rekonstruiert aus diesen Differenzen:
- Varianz (quadratische Dynamik)
- Kovarianz (gekoppelte Dynamik)
- √N-Gesetz (Aggregationsdynamik)
Die „metrischen Eigenschaften“ des statistischen Raumes (z.B. Standardabweichung, Distanz, Informationsmaß) entstehen aus der Dynamik von Differenzen. D.h. Metrik ist nicht primär, sondern emergiert aus Transformationsregeln. Insgesamt gilt:
Geometrischer Raum (Nummerierung, Schaltplan)
Topologischer Zusammenhang
Vakuum als physikalisches System
Die Statistik konstruiert keinen Raum, sie erzeugt Raum aus Beziehungen. Der statistische Raum ist kein Behälter, sondern eine Relationengeometrie, deren Metrik aus Streuungsdynamik entsteht.
4. Das Wurzelprinzip im Veda
Der Veda bestätigt die bewusstseinsbezogene Interpretation der mathematischen Operationen .
Der vedische Begriff für Wurzel ist Mūla und Wurzelziehen ist Mula Karani oder mūlam āhṛ (aktive Wurzel ) , Samīkaraṇa-mūlam sind die Wurzel einer Gleichung (Nullstelle)n
Typisch für die vedische Sprache ist das vielschichtige Bedeutungsfeld von Mula
4. 1 Die Vier-Ebenen-Struktur der Wurzel
Ebene 1:
Chit (reines Bewusstsein)
Ebene 2:
Ahamkāra, (Wurzelprinzip)
Ebene 3:
Erste Manifestation
Ebene 4:
Generative Entfaltung
In Āyurveda: 7 Dhātus (Gewebearten). Rasa, Rakta, Māṃsa, Meda, Asthi, Majjā, Śukra
4.2 Verstoffwechselung des Wurzelziehens
Es ist sehr befriedigend zu sehen, dass in der Vedischen Sprache die Annähetrung an die Wirklichkeit immer beide Blickwinkel einschließt den subjektiven und den objektiven..
Beim Wurzelziehen (√x), durchlaufen wir rückwärts von Vikāra (der konkreten Zahl x) über Dhātu (ihre Wurzeln √x) zurück zu Mūla (dem Prinzip der Wurzel).
Im Yoga entspricht das Pratyāhāra::Die Sinne (Zahlen) werden von ihren Objekten (Rechenoperationen) zurückgezogen zum Ursprung (Mūla) – dem Ojas des Zahlen-Metabolismus.
Der vedischen Kern:des Wurzelziehens ist die Rückkehr zu Soma..
Das Wurzelziehen hat also folgende universelle lebensrelevante Bedeutung:
"Die
Wurzel ist die rückbezügliche Operation des Bewusstseins, die
komplexe Strukturen auf ihren irreduziblen Keim zurückführt, aus
dem die Strukturen durch Selbstwiederholung entstanden sind."
Die Wurzel ist für Schwellenphänomenen von besonderer Relevanz, denn das Wurzelziehen führt zur zugrundeliegenden Einheit zurück, Während das Potenzenzieren eine Verdichtung von Setzungen ist; führt die Wurzel auf die elementare Setzung: Die Wurzel führt zur Grundordnung zurück:
x² → Wurzelziehen → x
Als Formal zusammengefasst:
Wurzel = LIMES{Komplexität → 0} (System) = Ursprungskeim
Epilog: Lob der vedischen Sprache
Die wissenschaftliche Forschung trägt nur dann dauerhaft zur kulturellen Entwicklung bei, wenn ihre Sprache eine Weiterentwicklung erfährt. Weiterentwicklung der Sprache bedeutet, sie ist Teil der Entwicklung, die im Bewusstsein stattfindet. Verändert sich das Bewusstsein, verändert sich automatisch auch die Sprache. Da Wissenschaft ein universelles, für alle Menschen gleichermaßen gültiges Bewusstseinsphänomen ist, erfolgt ihre Entwicklung relativ langsam, die nur dann eine Beschleunigung erfährt, wenn ein Schwellenzustand erreicht wird, an dem ein Sprung im Bewusstsein stattfindet.
Da die vedische Sprache aber dazu dient, die Bewusstseinsentwicklung darzustellen und dadurch zu fördern, wirkt sie in jeder Phase der Entwicklung zur Beschleunigung und zur Transformation der Sprache bei.
Der wichtigste Begriff aus unserem Alltag, der am dringendsten reparaturbedürftig ist, weil er Trennung vorgaukelt, wo in Wahrheit Verbindung herrscht, ist das „Ich“: Als Singular ist es die größte linguistische und psychologische Illusion unserer Zeit – ein „Sprach-Gefängnis“, das die physikalische Realität der Verbundenheit ignoriert. Erst wenn sich der Sprachgebrauch des ‚Ich‘ auf alle Mitmenschen und die ganze Natur ausweitet, werden Krieg und auch Krankheit zur biologischen Unmöglichkeit, weil Abgrenzung ständig durch Verbundenheit entschärft wird.
In einer Sprache, die die Einheit fördert, ist das „Ich“ kein abgeschlossener Punkt, keine isolierte Singularität, sondern ein Knotenpunkt in einem unendlichen Netzwerk. „Ich-Reparatur“ ist Heilung und Friedensstiftung, denn sie bedeutet seine unbegrenzte Erweiterung, nicht seine Überwindung oder Zerstörung, Die vedische Sprache liefert dazu mit dem Begriff von Soma den Prototyp zur vollständigen Kennzeichnung des Ichs als dem Erfahrenden:
„Soma,
ein Zentralbegriff der vedischen Literatur, wird als die
Bindesubstanz des Universums bezeichnet: Er erhält das ewige
Kontinuum reiner Existenz, das Feld reiner Potentialität, den
unmanifesten, absoluten Zustand des Lebens. In diesem Feld des ewigen
Kontinuums des Unmanifesten drückt sich Soma als unmanifeste
Raum-Zeit-Geometrie aus und wird so der Ursprung der manifesten
Raum-Zeit-Geometrie, die von A. Einstein als Grundlage aller
manifesten Schöpfung ans Licht gebracht wurde. An der Schwelle
zwischen dem sich nicht verändernden Unmanifesten und dem sich
beständig verändernden Manifesten gibt Soma der Veränderung eine
evolutionäre Richtung und erhält auf diese Weise gleichzeitig das
Kontinuum des sich ständig verändernden relativen Lebens. Soma kann
als eine Art feinstofflich-flüssiger Substanz oder als Impuls
kreativer Intelligenz verstanden werden, der Körper und Geist,
physische Existenz und Bewusstsein verbindet. Es ist der Fluss reinen
Somas, der für das perfekte Zusammenspiel von Geist und Körper
verantwortlich ist, die die vollständige Erkenntnis der Wahrheit
entwickelt und höhere Bewusstseinszustände zur Entfaltung
bringt.“ Maharishi
Mahesh Yogi in seiner Erläuterung des 9. Mandalas des Rigveda, das
ausschließlich Soma gewidmet ist (1979)Entsprechendes
gilt für alle anderen lebensrelevanten Begriffe. Statt „Ich atme
Luft“ bedarf es eines Wortes, das für jede Art von Atmungsvorgang
gilt. so dass jeder versteht, dass Atmen nicht etwas ist, das nur ich
tue, sondern etwas, das überall in der Schöpfung stattfindet, so
dass mein Atem mit dem der gesamten Umwelt verwoben ist. Der vedische
Begriff für Atem in seiner universellen Funktion ist Prāṇa.
Alle
Worte und Ausdrücke der vedischen Sprache transportieren nicht nur
die Idee der Verbundenheit, sondern fördern durch ihre
lautliche Struktur das Einfließen des Seins in den bewussten Geist,.
So wird durch die vedische Sprache als Instrument, die Verbundenheit
gelebte Wirklichkeit. Der Geist, insbesondere auch der der Gelehrten,
wird durch die Dominanz des Zustands des Seins von überflüssigem
mentalem und emotionalen Ballast „geleert“, so dass sich die
ganze Natur ausdrücken kann. Dieser Prozess der
Irrweg-Nullifizierung durch eine Sprache, die den Grundzustand
aller Erkenntnis fördert, kann in allen anderen Sprachen und
Fachsprachen insbesondere in der Mathematik eine Transformation in
Richtung Lebensrelevanz bewirken..