Das Wurzelprinzip in Sprache und Bewusstsein

Bernd Zeiger

15. Februar 2026

Die sprachliche Kluft zwischen der Lebenswirklichkeit der Menschen und den Fachsprachen von Biologie, Medizin, Psychologie und Soziologie ist groß.

In Biologie und Medizin wird der Mensch zum „System“ bzw. zum „Patienten“. Die Psychologie versucht Bewusstsein und Gefühle in begriffliche Konstrukte wie „Kognitiv“ oder „Affekt“zu pressen. Die einseitige Fixierung der Soziologie auf Daten und Statistiken ignoriert die verbindende Kraft individuellen Bewusstseins.

Dass Bewusstsein - eine selbst wechselwirkende Realität mit innerer Struktur - nachweisbare Wirkungen hat, wurde erstmals bei der Erforschung des atomaren Bereichs sowie in der Kosmologie zum Thema der Naturwissenschaft. Deshalb hat schon Albert.Einstein vorgeschlagen, in den Präsentationen wissenschaftlicher Erkenntnisse, das Schwergewicht auf dem tatsächlichen Vorgang der Erkenntnisgewinnung zu legen, wie er im Bewusstsein stattfindet und bei allen Menschen gleich ist.

Damit wissenschaftliche Erkenntnisse sofort von jedem Menschen in seine individuelle Lebensgestaltung integriert werden können, bedarf es einer Sprache, die beides zugleich ist: präzise und lebensnah.

Es mehren sich die Hinweise, dass eine solche universelle für die Natur und das Leben gleichermaßen gültige Sprache bereits im Bewusstseins angelegt und jedem zugänglich ist. Es muss dafür nur die geeignete Bedingung geschaffen werden: der unmittelbare Zugang zum absoluten Fundament jeder Erkenntnis, das die moderne Wissenschaft als quantenmechanischen Grundzustand beschreibt.

Was der breiten gesellschaftlichen Assimilation dieser Erkenntnis derzeit entgegenwirkt, ist die mathematische motivierte Terminologie. Weil diese sich bei der experimentellen Erforschung der äußeren Natur bewährt hat, wird sie auch als Maß für den subjektiven Bereich und für den Erkenntnisprozess benutzt: Bereits einfache Worte wie "begreifen" und "urteilen" veranschaulichen die Geisteshaltung die dieser Weltsicht zugrundelegt. Doch die Zweifel an der Lebensrelevanz dieser Weltsicht mehren sich:
  • Die wissenschaftlichen Erkenntnisse, denen die Menschheit gegenwärtig eine noch nie dagewesene kulturelle Blüte verdankt, werden an den Schulen und Hochschulen immer noch ohne Bezug auf das im Bewusstsein angelegte absolute Fundament gelehrt, obwohl Erkenntnis dadurch erst möglich ist.
  • Wissenschaftliche Veröffentlichungen werden ausschließlich nach dem im objektiven Bereich bewährten Schema verfasst.
  • Der strikte Objektbezug führt zur Abtrennung sprachbezogener, philosophischer und historischer Aspekte, die wiederum eine eigene Terminologie haben und eigene Fachzeitschriften.
Jede Generation steht deshalb immer wieder neu vor der Herausforderung, entweder die Basis sicherer Erkenntnis für sich neu zu entdecken oder ein Leben im Kampf gegen Krankheit und Gewalt zu führen.

Im 20. Jahrhundert haben einige konsequente Denker wie K. Gödel und G. Günther das prinzipielle Defizit formaler Sprachen nachgewiesen und damit erste Hinweise auf eine Sprache gegeben, die den Geist von "narrativer Täuschung" befreit, so dass jeder selbst erkennen kann, was in all den Informationen, Kommentaren, Meinungen, Interpretationen und mentalen Konstruktionen Fake ist und was Fakt.

Ausgehend von bewährten Erkenntnissen kann gezeigt werden, wie eine Sprache strukturiert sein muss, die zur Wurzel sicherer Erkenntnis führt. Das zum ganzheitlichen Grundzustand der Sprache im Bewusstsein zurückführende Prinzip ist zwar in jeder Sprache angelegt, aber eine Sprache, die diesen Rückbezug am effektivsten verwirklicht, sollte die Flexibilität der Laute mit zahlenmäßiger Präzision verbinden.

1. Die Schwelle zur Ganzheit


Auf die Frage, woraus jedes Atom und das ganze Universum besteht, geben Gelehrte und auch die gegenwärtige KI etwa folgende Antwort:

Atome bestehen aus drei Hauptarten von Elementarteilchen, sind aber größtenteils zu mehr als 99,9 % leerer Raum. Auch das Universum besteht zu über 99,9 % aus leerem Raum. Sterne und Galaxien sind darin nur kleine Inseln.

Die in der Entwicklung der Physik richtungsbestimmenden Repräsentanten von I. Newton bis hin zu den Pionieren vereinheitlichter Quantenfeldtheorien verstehen unter Raum jedoch etwas ganz anderes, jedenfalls kein„leeren Behälter“:

"Ein leerer Raum ist nicht denkbar ,(denn) er gibt den weltweiten Zusammenhang an.“ (F. Hund: Grundbegriffe der Physik, 1969)

Der Raum als natürliche Realität ist somit ein Beziehungsgefüge, ohne das Objekte gar nicht registriert werden können. Wenn es im Raum keinen Zusammenhang gäbe, könnte keine Information fließen und die Objekte wären für uns nicht existent. Der Raum ist somit nicht das, was Objekte trennt, sondern das, was sie verbindet. Raum ist ein dichtes Netz aus physikalischen Gesetzen und Feldern. Ohne diesen „Zusammenhang“ gäbe es keine Distanz, keine Zeit und keine Wahrnehmung.

Wenn trotzdem Gelehrte von „99,9 % "leerem Raum“ bzw. dem allgegenwärtigen Vakuum sprechen, liegt ein sprachliches Defizit vor, das dringend behoben werden sollte, damit die vom Schulsystem gelehrten Sprachen - Mathematik, Physik, Biologie, Geschichte u.v.m. - die Welt nicht mehr nur in isolierte Bereiche trennen, sondern dazu beitragen, den Blick für das Ganze fördern.

Das mit dem "Raum"-Begriff verbundene sprachliche Defizit ist zwar seit mehr als 100 Jahren bekannt aber seine sprachliche Behebung hat noch nicht Eingang in das Bildungssystem und damit auch nicht in die Umgangssprache gefunden:

"Tatsächlich spielt das Vakuum in der dynamischen Beschreibung physikalischer Vorgänge eine doppelte Rolle, nämlich einmal als geometrischer Raum und zum anderen als physikalisches System.
Den geometrischen Raum, d.h. die Ortskoordinaten, braucht man dabei; um die Teilsysteme zu nummerieren. Der Sinn dieser Nummerierung ist, die Nachbarschaftsverhältnisse, oder mathematisch ausgedrückt, den topologischen Zusammenhang des ausgedehnten Systems in die Hand zu bekommen.(den Schaltplan):
Metrische Eigenschaften des Raumes, wie Abstände, Winkel oder auch Geschwindigkeiten usw. also kurzum das was gewöhnlich unter Geometrie des Raumes und der Kinematik der sich in ihm abspielenden Vorgänge versteht, sollte erst eine Folge der Dynamik sein." (G.Falk: Theoretische Physik 1968)

Dieser Anfang des 20. Jahrhunderts entstandene Raumbegriff erweist sich zunehmend als Schlüssel bei der Ablösung der herrschenden statistischen Analyse der Lebensphänomene durch eine ganzheitliche, unmittelbar einsichtige bewusstseinsbezogene Begründung der Lebenswirklichkeit..


1.1 Sprache das Betriebssystem des Denkens


Werden überwiegend Begriffe benutzt, die isolieren, fragmentieren und separieren, kann Harmonie nicht benannt und Dissonanzen nicht frühzeitig erkannt werden . Der Preis, den der Einzelne und die Gesellschaft für eine derart defizitäre Sprache zahlt, sind Krankheit und Gewalt. Krieg setzt voraus, dass der „Andere“ als ein vom „Ich“ getrenntes Objekt wahrgenommen wird. Krankheiten entstehen, wenn die Synergie des Organismus durch einseitige Lebensweise gestört wird.

Weil die Sprache das Betriebssystem unseres Denkens ist, bedarf es klare Begriffe, die den Zusammenhang fördern. Solange unsere Sprache auf Trennung und Zerstückelung programmiert ist, kann echte Einheit nicht einmal gedacht werden. Was keinen Namen hat, existiert für unseren Geist nicht.

Die nur für Spezialisten der Biologie, Chemie, Physik, Mathematik, etc. verständlichen Fachbegriffe für Verbindung und Transformation sollten durch einheitliche fächerübergreifende Bezeichnungen ersetzt werden, die für das gesamte „Lebens-Feld“ gelten. Also eine Sprache, die das Verbindende in den scheinbar leeren Zwischenbereichen benennt; die mit den Dingen auch die Rolle des Raums dazwischen berücksichtigt und mit den Zuständen auch die Übergänge zwischen ihnen:

Die Sprache, die das leistet, gibt es bereits. Die Rishis und Maharishis der Vorzeit haben einer Sprache
entwickelt, die die - der gewöhnlichen Wahrnehmung unsichtbaren - Naturgesetze als Eigendynamik des Bewusstseins (Veda) darstellt . Das bestätigen kreative Entwicklungen sowohl in der akademischen Wissenschaft als auch in der sogenannten Außeneiterforschung.

1.2 Die Sprache des dynamische Null-Zustands des Geistes


Die vedische Sprache, die die ganzen Natur bis zum Kosmos als Phänomen des Bewusstsein strukturiert, ermöglicht den Zugang zur gesamten Wirklichkeit, nicht nur objektiv-rational wie in den vereinheitlichten Quantenfeldtheorien, sondern derart, dass jeder Aspekt des Leben einbezogen ist und davon profitiert.

Dazu bedarf es der Kultivierung einer Fähigkeit, die in jedem angelegt ist und traditionell Meditation genannt wird. Durch die dadurch geförderte schrittweise Nullifizierung aller narrativen Täuschungen, erhält der bewusste Geist Zugang zu alle Möglichkeiten des Unterscheidens und Entscheidens, als dem fundamentalen Schwellenzustandes zur gerechten Erkenntnis. Erst dann kann er sich über die ständigen Verdichtungen der Ereigniswelt (ihre "Schwere") erheben und vom Licht der Ganzheit profitierten, das alles erhellt. So wird das Größte durch das denkbar Kleinste, dem "Null-Zustand", zugänglich.

Im Licht des Größten wird alles groß; denn das macht den Geist zunehmend frei von der Gewohnheit ständig das unmittelbar Gegebene zu erklären oder gemäß seinem Willen zu manipulieren Ein „Gelehrter“ zeichnet sich dann dadurch aus, dass er ein "Geleerten" ist. Im Englischen ist dieses Wortspiel nicht möglich, aber dafür gibt es Begriffsbildungen, die diesen Zustand des „leeren“ vorurteilsfreien Geistes umschreiben:„Naked Awareness“ „De-shackling from Narrative Fallacy“, „Zero-Point-Mindset“ , etc.

Für alle, die zunehmend narrative Täuschungen hinter sich lassen, erweist sich die „dynamische Leere“ als Zustand unbegrenzter Klarheit und Fülle der Möglichkeiten.



2. Der Unterschied von Laut- und Zahlensprache


Die denkbar einfachste Unterscheidung ist zwischen „Etwas“ und „Nichts“. Wie sich jedoch diese Unterscheidung im Leben ausdrückt, hängt vom Zustand des Bewusstsein ab. 

Die gesprochene Sprache spiegelt auf sehr differenzierte Weise die Abhängigkeit vom Bewusstseinszustand wider, während die Zahlendarstellung die Bewusstseins-Abhängigkeit zunächst nivelliert sie aber dann in einem zweiten Schritt mittels geordneter Beziehungen zwischen den Zahlen - den Rechenoperationen - wieder rekonstruiert. 

Für das zahlen bezogene Denken , das hier genauer bezüglich seiner Lebensrelevanz untersucht werden soll, ist also typisch, dass zunächst durch Schaffen von Lücken Feinheiten gelöscht und dann durch die Beziehungen zwischen den Zahlen diese Lücken wieder gefüllt werden. Nirgendwo zeigt sich das so deutlich wie in der statistischen Beschreibung von Lebensphänomenen.


2.1 Die statistische Methode


In der empirischen Forschung beginnt alles mit einer rigorosen Vereinfachung. Ein Lebensphänomen wie "Gesundheit", „Depression“, „Bildung“, „Lebenszufriedenheit“ oder „Stress“,  wird zunächst in beobachtbare Merkmale übersetzt. 

z.B Gesundheit in : 0 = krank, 1 = gesund, Depression: Werte in einem Fragebogen, Bildung: Anzahl der Schuljahre, etc..


Ein kontinuierlich erlebtes, vielschichtiges Phänomen wird dadurch auf einfache Zahlenwerte reduziert. Dadurch verschwinden qualitative Nuancen zugunsten zahlenmäßig unterscheidbarer Kategorien. Nivelliert:wird dabei die Abhängigkeit vom jeweiligen Bewusstseinszustand.  Die individuelle Bedeutung eines Erlebnisses spielt keine Rolle mehr. Unterschiedliche Erfahrungsweisen werden unter demselben Zahlenwert subsumiert. Gefühle werden zu Skalenwerten, Verhalten wird gezählt, Lebensläufe werden in Variablen übersetzt.

Zahlen machen vergleichbar – obwohl die inneren Qualitäten völlig verschieden sein können. Die Zahl löscht die Unterschiede zugunsten formaler Gleichheit.

Die damit verbundene zahlenmäßige Erfassung ermöglicht es jedoch in einem zweiten Schritt, Relationen zwischen den Zahlen zu formulieren: Mittelwerte,Varianzen, Korrelationen, Wahrscheinlichkeiten. Diese Relationen erzeugen neue Bedeutungsstrukturen.

Findet man beispielsweise eine Korrelation zwischen Bildungsgrad und Einkommen entsteht eine interpretierbare Beziehung: „Mehr Bildung hängt mit höherem Einkommen zusammen.“


Die zuvor geschaffenen Lücken werden so durch ein Beziehungsgewebe wieder gefüllt. Aber dieses Gewebe ist kein unmittelbares Erleben – es ist eine formale Struktur zweiter Ordnung. Die statistische Methode ersetzt qualitative Sinnzusammenhänge durch mathematische Relationen.

Diese Vorgehensweise wird besonders bei Lebensphänomenen angewandt, weil diese komplex, kontextabhängig, bewusstseinsabhängig und sinnbezogen sind. Durch die Statistik werden sie standardisiert, isoliert, messbar, sammelbar, und auch verknüpfbar, sodass durch geeignete Modelle wieder Sinn „erzeugt“ werden kann – allerdings als Wahrscheinlichkeitsstruktur. D.h. die ursprüngliche Erfahrungsfülle kehrt nicht zurück, sondern wird durch eine abstrakte Struktur ersetzt. 

Beispielsweise wird „Überleben“ zu einer 0/1-Variable, aus der in der medizinischen Statistik durch Überlebenskurven, Hazard-Ratios usw. wieder eine differenzierte Beschreibung von Lebensverläufen entsteht.

Zunächst werden also in der Statistik qualitative Differenzen auf diskrete Unterscheidungen reduziert (Zahlenwerte). Dann wird durch mathematische Relationen und Rechenoperationen eine lebensnahe Struktur rekonstruiert, die die zuvor erzeugte Abstraktionslücken wieder füllt. Die Statistik lebt davon, dass sie erst Wirklichkeit vereinfacht, um sie danach relational wieder anzugleichen::

Erst "Schaffen von Lücken“, dann Füllen der Lücken durch Beziehungen.

Verfahren wie Faktorenanalyse, Strukturgleichungsmodelle und  Machine Learning zeigen diesen Mechanismus besonders deutlich: Man beginnt mit diskreten Variablen und konstruiert daraus latente Strukturen, Netzwerke und Muster.

Die statistische Methode beruht also auf einem zweistufigen Transformationsprozess:

1. Operationalisierung

Lebensphänomene werden in messbare Variablen überführt. Dabei verschwindet das konkrete, gelebte Bewusstsein scheinbar – es wird „entleert“.

2. Modellbildung

Zahlen treten in Relation zueinander und Korrelationen, Verteilungen, Wahrscheinlichkeiten, Netzwerke entstehen.  Dabei taucht etwas vom ursprünglichen Lebenszusammenhang wieder auf. jedoch nicht in den Zahlenwerten und deren Mittelwerten, sondern in den Zwischenräumen der Relationen, in Streuungen, in Kovarianzen, in Nichtlinearitäten , in Interaktionseffekten und in Residuen.

Gerade das Residuum (das statistisch „Unerklärte“) ist dabei hochinteressant, denn es markiert die Grenze der Modellierbarkeit – dort blitzt Individualität wieder auf.
Ebenso sind es die Korrelationen, in denen Lebensbezüge wieder sichtbar werden. Eine Korrelation ist kein Ding, sondern eine Beziehung, und Beziehung ist eine Grundform des Bewusstseins.

Was im ersten Schritt als lebendige Sinnstruktur verloren geht, kehrt im zweiten Schritt als strukturelle Beziehungsordnung wieder – aber nicht mehr als erlebtes Phänomen, sondern als formalisierte Abhängigkeitsstruktur. Das lebensbezogene Bewusstsein verschwindet als Qualität, aber es bleibt wirksam als Relation. 

Bewusstsein verschwindet im ersten Schritt, und kehrt im zweiten Schritt als  zahlenmäßig fassbare Struktur (Modell) wieder zurück, dadurch dass komplexer Beziehungsgeflechte aufgebaut werden, wobei der gelebten Qualität bestimmte formale Relationen entsprechen.

Die Statistik löscht zwar subjektives Erleben, aber sie kann nicht vermeiden, seine Struktur zu reproduzieren,. denn Lebensphänomene sind relational aufgebaut.und Relationen sind es, die die Statistik erkennbar macht als formalisierte Struktur von Relationen, während das ursprüngliche Bewusstsein individuell und sinnhaft ist.

In diesem Sinne ist Statistik keine Negation des Lebens, sondern eine Transformation des gelebten Zusammenhang in eine mathematische Struktur. Allerdings bleibt ein Unterschied bestehen:

Das rekonstruierte Beziehungsgeflecht ist allgemeingültig und probabilistisch, taucht nur als zahlenmäßig fassbares komplexes Beziehungsgeflecht wieder auf  aber nicht als unmittelbar Erlebbares, 

 

2.2 Zahlen als Bewusstseinszustände


Die von der Wissenschaft wegen ihrer Exaktheit favorisierten Zahlen entstammen letztlich derselben absoluten Tiefenstruktur wie die Sprache also dem selbstreflexiven Bewusstsein. Dies ist die Quintessenz jeder Erkenntnistheorie, insbesondere auch des Veda, dessen Besonderheit darin besteht, dass er sich als sprachliche Darstellung des Vorgangs versteht, wie Erkenntnis unmittelbar im Bewusstsein entsteht.

Im Bewusstsein trennt sich aufgrund seiner unterscheidenden Natur (Intelligenz) das reine, unqualifizierte Sein vom qualifizierten Sein, wobei der Bereich des Bewusstseins nicht verlassen wird. Diese Ur-Unterscheidung im Bewusstsein, ist der Keim aller weiteren Differenzierungen durch wiederholtes Unterscheiden, der typischen Entfaltungsweise autonomer Systeme aufgrund des Erhaltungsgesetzes der Energie.

Wiederholte Unterscheidung → Einheit quantifiziert sich als Vielheit


Die Umkehrung dieser ständigen bewusstseinsinternen Differenzierung, ist ihre „Nullifizierung“. Die geschieht durch Relationen. Das Bewusstsein erkennt in sich die Beziehungen zwischen den voneinander unterscheidbaren Elementen:

Beziehungen verbinden Unterschiede

Durch die beziehungsstiftende Transformation im Bewusstsein sind Sprache und Zahl zwei Aspekte der expansiven Qualität,. Das wird Rekursion genannt:

Rekursion → Selbstanwendung der Unterscheidungs- und Beziehungsoperation

Da Bewusstsein aufgrund seiner selbst rückbezüglichen Qualität ständig auf seine Differenzierungen zurückgreifen kann, entstehen geordnete Strukturen bzw. Muster im Bewusstsein: die geordnete Folge sprachlicher Ausdrücke . Auch diese Strukturen stehen nicht außerhalb des Bewusstseins, sondern sind Ausdruck seiner innewohnenden Eigenschaft, alles zu erkennen.

Für diese hier kurz zusammengefasste Eigendynamik des Bewusstseins bietet der Veda das optimalen  begriffliche Fundament:

  • Der elementarste Bewusstseinszustand wird mit Shunya= NULL  bezeichnet und ist reine Potenzialität, die Fülle aller Möglichkeiten, „die Leere, die alles enthält“, Bewusstsein vor aller Manifestation.

  • EINHEIT als Bewusstseinszustand ist die allumfassende Präsenz, die Totalität aller Differenzierung, vedisch  Brahm oder Brahman  genannt.

  • Der Übergang zwischen NULL und EINS repräsentiert die Ur-Schwelle jeder Transformation, wo die statische Unterscheidung zur aktiven Entscheidung wird. 

In letzter Konsequenz bringen diese drei Aspekte des Bewusstseins die Eigendynamik des Bewusstseins (Veda) zur Erfüllung.

Sprachlich drückt sich die Eigendynamik in folgender Sequenz aus:   

Schweigen als Ausdruckspotential → Worte → Ausdrücke → in sich erfülltes Schweigen

Mathematisch erscheint die Eigendynamik als folgende Sequenz: 
  
0,1 Schwelle → Operationen → komplexe Strukturen → Nullifizierung → Einheit
#
Durch die dabei jeweils stattfindende Spezifizierung unterscheidet sich die sprachliche und die zahlenmäßige Darstellung qualitativ voneinander:
Die klangliche Sprache ist wahrnehmungsbezogen und summarisch. Die Zahlensprache ist überwiegend Intelligenz-bezogen und zählt die Komponenten der Objekte.  


Das ist die synchrone Geburt der wahrnehmungsbezogenen Vereinheitlichung einerseits und der natürlichen Zahlen als Mittel der Strukturierung des Wahrgenommenen andererseits.

Sprachlaute und Zahlen sind also keine getrennten Darstellungsweisen, sondern zwei "Dialekte" derselben Sprache des Bewusstseins. Der laute-bezogene Dialekt betont das Qualitative bzw. die Beziehungsgeflechte, der zahlenbezogene Dialekt das Quantitative, durch strukturbezogene Lücken Beide entspringen dem Bewusstseins, das sich selbst erkennt und dabei sowohl unterscheidet als auch verbindet – das ewige Wechselspiel von Stille (Śiva) und Dynamik (Śakti), aus dem alle Formen geboren werden.


2.3 Zahlen als Strukturen der Ganzheit


Da Klangsprache und Zahlensprache einen gemeinsamen Ursprung haben, sind sie komplementär zueinander, d.h. beide ergänzen sich. Diese Komplementarität wird besonders wichtig bei Schwellenzuständen wo sich der Ordnungszustand qualitativ verändert.

Die elementarste Bewusstseinsschwelle ist zwischen Null und Eins und wird in der vedischen Sprache als Lampe an der Tür = Nyaya - bezeichnet: Zwei Seiten einer Wirklichkeit werden dabei so benannt, dass sie zusammenwirken können. An der Schwelle werden Zahlen lebensrelevant und wird Leben eine zahlenmäßig strukturierte Ganzheit.

Durch diese Operationalisierung erhalten Zahlen eine neue Funktion sie werden zu "Setzungen" d.h. zu Repräsentanten von Entscheidungen.

0 = Nicht-Setzung und 1 = Setzung

Jede Statistik beginnt mit solchen binären Entscheidungen: 

Ereignis / kein Ereignis; Erfolg / Misserfolg; vorhanden / nicht vorhanden


Statistische Modelle basieren letztlich auf Transformationen von 0 und 1. Selbst komplizierte Variablen lassen sich auf diese elementare Entscheidung zurückführen (Indikator variablen, Dummy-Codierungen, Bernoulli-Modelle).

Da jedoch Entscheidung ein Akt des Bewusstseins ist; verschwindet Bewusstsein niemals vollständig, es wird nur durch die Zahlensprache auf die elementarste Unterscheidung 0 und 1 reduziert. Auch Lebensrelevanz ist nicht völlig verschwunden , sondern ist in den elementaren Zahlenoperationen implizit enthalten geblieben.


Im ersten Schritt (Operationalisierung) geschieht zwar eine Reduktion:

Lebensphänomen → Variable → Zahl


Aber diese Zahl repräsentiert eine Entscheidung im Erfahrungsfeld, ist also ein Akt von Bewusstsein.

In vedischen Begriffen beruht dieser ganze Prozess auf der Beziehung zwischen Buddhi (Intelligenz) und Puruṣa (reines Bewusstsein), Reines Bewusstsein erkennt sich durch diese Beziehung in Begriffen seiner eigenen Natur (Prakriti). Diese Selbst-Reflexion erzeugt zunächst eine Dualität, aus der dann Vielfalt entsteht, aber immer ohne die Einheit des Bewusstseins zu verlassen. D.h. die Vielfalt ist letztlich nicht mehr getrennt vom bewussten Sein, sondern bildet Strukturen, die auf das ganze Sein bezogen sind, also Strukturen der Ganzheit.

Was diesen Prozess plausibel macht, ist die Bewusstseinsinterpretation der sprachlichen Darstellung des Gegebenen als Einheit von Lauten und Zahlen.

                              
Die vier Grundrechnungsarten und ihre bewusstseinsbezogenen Entsprechungen

Addition (+)

Im Bewusstseins: Integration von Erfahrungen - Verschmelzung verschiedener Inhalte
Entstehung eines Kollektivbewusstseins: "Ich + Du = Wir"
Im Wissen: Ansammlung von Erkenntnissen
In der Sprache(Syntax): Konjunktion ("und", "sowie", "außerdem")
In der Logik: Disjunktion (inklusive "oder")


Subtraktion (-)

Bewusstseinsperspektive:
Abstraktion - Herauslösen des Wesentlichen vom Zufälligen
Selbst-Reinigung - Abstreifen von Anhaftungen, Illusionen (Maya)
Beispiel: Ich minus Ego = reines Selbst
Syntaktisch: Negation ("nicht", "ohne", "ausgenommen")
Logisch: Kontraposition, Differenzbildung


Multiplikation (×)

Bewusstseinsperspektive:
Verstärkung der Aufmerksamkeit - Meditation vertieft die Wahrnehmung
Symbiose - Zwei sind mehr als ihre Summe (Synergie)
Beispiel: "Liebe × Mitgefühl = unendliches Mitgefühl"
Syntaktisch: Intensivierung ("sehr", "äußerst", Wiederholung)
Logisch: Konjunktion mit Verstärkung


Division (÷)

Bewusstseinsperspektive:
Differenzierung der Einheit - Das Eine manifestiert sich als Viele
Relativierung - Erkenntnis der wechselseitigen Abhängigkeit aller Phänomene
Beispiel: "Bewusstsein  pro Zeit = gegenwärtige Momente" (Achtsamkeit)
Syntaktisch: Spezifizierung ("insbesondere", "bezüglich")
Logisch: Analyse, Unterteilung, Kategorisierung


Addition und Multiplikation sind beide expansiv, schöpferisch, integrativ. Subtraktion und Division sind beide kontraktiv, analytisch, differenzierend:

Die Beziehung zwischen den vier Grundrechnungsarten und den Zahlen 0 und 1 ist aus bewusstseinsbezogener Sicht nicht bloß operativ, sondern ontologisch-real. Sie beschreibt den gesamten Kreislauf von Manifestation, Erhaltung, Auflösung und Ruhe:

0 + 1 = 1 (Manifestation)

1 - 1 = 0 (Auflösung)
1 × 1 = 1 (Selbsterhaltung)
1 : 1 = 1 (Selbstidentität)

An der Schwelle, wo die statische Unterscheidung zur aktiven Entscheidung wird, gilt

  • Addition ist die Entfaltung der 1 in die Vielheit. D.h aus der 1 wird durch wiederholte Addition (+1) die Zahlenreihe geboren. Die 0 ist dabei der stille Zeuge, der jede Addition ermöglicht, ohne selbst zu wachsen .

  • Subtraktion ist die Rückführung der Vielheit zur Einheit. Sie offenbart: Alle Zahlen sind nur vorübergehende Modifikationen der 1. Die 0 ist das Ziel – die Auflösung aller Bestimmungen.

  • Multiplikation ist die Selbstbestätigung der 1:  1 × 1 = 1 zeigt, dass das Absolute sich nur selbst bestätigen kann, nicht vermehren. 0 × 1 = 0 zeigt: Ohne Sein keine Intensität. Die Multiplikation ist die Wiederholung des Gleichen, das sich dadurch vertieft (Yagya) 

  • Division ist die Selbstbeziehung der 1.:D.h. 1 : 1  = 1 ist der Ātman, der sich selbst erkennt., 0 : 1 = 0 zeigt: Leerheit kann sich nicht teilen (keine Selbstobjektivierung)., 1 : 0 ist undefiniert – das Absolute kann nicht in Beziehung zum Nichts gesetzt werden.



3. Das Wurzelprinzip


Während die Grundrechenarten lineare Verknüpfungen sind, d.h.sie legen Mengen "nebeneinander"; stapelt das Potenzieren Mengen "ineinander". Dadurch wachsen die Ergebnisse nicht mehr gleichmäßig (linear), sondern explosionsartig.

  • Potenzieren beschreibt die Verdichtung von Information.z.B: exponentielles (organisches) Wachstum;

  • Wurzel und Logarithmus sind die Werkzeuge, um das Potenzieren "rückgängig" zu machen, d.h. verdichtete Information zu entschlüsseln. Da eine Potenz aus zwei unterschiedlichen Teilen besteht (Basis, Exponent) gibt es zwei verschiedene Umkehroperationen.

Potenzierung (^)

Bewusstseinsentsprechung: Rückbezug
 Meditation^Tiefe =  Bewusstseinserweiterung 

Logarithmus (log)

Bewusstseinsentsprechung: Entschleierung der Tiefenstruktur
 log(Komplexität) = einfache Grundprinzipien (Reduktion auf Essenz)
Der Logarithmus ermöglicht den Umgang mit sehr großen Zahlen.

Wurzelziehen (√)

Bewusstseinsentsprechung: Rückkehr zum Ursprung
 √ N =  Verbundenheit innerhalb der N 

Aus bewusstsreinbezogener Sicht besteht ein enger Zusammenhang zwischen den drei Aspekten des Bewusstseins - Ahamkara (Ego); Buddhi(Intellekt) und Manas(Geist) - und den drei Operationen Wurzelziehen, Logarithmieren und Potenzieren,  

Potenzieren =  ^ = Manas = synthetische Verknüpfung

log = Buddhi = analytische Unterscheidung( "Wie viele Stufen?")

= Ahamkāra = reflexive Selbstsetzung  ("Was bin ich im Quadrat?")


3.1 Beziehung des Wurzelbegriff zum Logarithmus und zum Potenzieren


Potenzierung als Manas (vergleichender Geist):

Manas vervielfältigt, vergleicht und verknüpft;: entsprechend verbindet die Potenz die Basis y und Exponent n :

Potenz = yˣ


Beispiel: 2³ = 8 (Verknüpfung von 2 und 3)

Die Potenz (^) beantwortet die Frage:  "Was ergibt die Vervielfältigung (Verdoppelung)"? 

Die Richtung ist projektiv: Willensformation; Sankalp
Die lautliche Analogie ist das der Syntax (Satzbildung)

Logarithmus als Buddhi (Intelligenz/Unterscheidungskraft)

Buddhi ist das Unterscheidungsvermögen, die analytische Klarheit: Entsprechend ist der Logarithmus die Antwort auf die Frage;  "Wie oft muss die Basis mit sich selbst multipliziert werden?"

log_b(x) sucht den  Exponenten (Stufen der Potenzierung)

Der Logarithmus ist analytisch, nicht reflexiv, er differenziert Wachstumsstufen entsprechend wie Buddhi Phänomene unterscheidet.

Beispiel: log₂(8) = 3 (Erkenntnis der dreifachen Verdopplung)

Der Logarithmus (log) beantwortet die Frage: "Wie oft kann ich mich vervielfältigen? 

Die Richtung ist vorwärts und imaginativ. In lautlicher Analogie ist das die Bestimmung der Herkunft und Bedeutung der Worte (Dhatus)

Wurzelbegriff als Ich-Prinzip

Die  Wurzelbildung ist die Antwort auf die Frage:"Was bin ich in Bezug auf selbstbezogenes Bewusstsein":

x sucht jenes y, für das  x= y·y (Quadrat=Selbstbezug)

Das was das Ich erzeugt  ist das Prinzip des sich selbst setzenden Selbstbezugs. Im Veda Ahamkāra  genannt. Die Wurzel ist reflexiv selbstbezüglich wie Ahamkāra: "Ich (y) multipliziert mit mir selbst (y) ergebe x" .


Beispiel: √16 = 4, denn 4·4 = 16 (Selbstrelation)

Die Wurzel (√)  beantwortet die Frage: Was bin ich quadriert ?  Die Richtung ist rückwärts zum Ursprung.  

Die Laute und Zahlen umfassende Definition der Wurzel ist also: 

Die Wurzel ist jene Operation des Bewusstseins, die eine komplizierte Struktur auf ihren irreduziblen Selbstbezug zurückführt, dessen rekursive Anwendung die  Struktur  hervorgebracht hat.

Für Sprachlaute: 

Wortwurzel = jener Lautkern, dessen Variationen Wortfamilien erzeugt

Für Zahlen:

x = y, wobei y² = x  wobei y die minimale Selbstbezugsgröße ist



Es ergeben sich folgende Parallelen zur Formalismus der Quanten:

Vakuumzustand |0⟩ = Wurzel aller Teilchenzustände

Erzeugungsoperator a† = "Wurzeloperation" die |0⟩ in |1⟩ transformiert

Wellenfunktion ψ = "Wurzel" der Wahrscheinlichkeitsdichte |ψ|²


3.2 Die √N-Regel in der Statistik


In der Statistik tritt die Wurzel an zentraler Stelle als  Standardfehler des Mittelwerts auf:

SE = σ / √N   bzw.   √N  =  σ / SE

d. h.  Zufällige Schwankungen wachsen proportional zu √N und nicht proportional zu N

Oder mathematisch:

Standardabweichung = Wurzel der Varianz 

Werden N unabhängige 0/1-Ereignisse aggregiert, wächst die Streuung nicht proportional zu N, sondern nur zu √N. weil sich unabhängige Setzungen teilweise aufheben.

Die Wurzel „holt“ gewissermaßen die lineare Ebene aus der quadratischen Aggregation zurück.

Die √N-Regel basiert auf zwei Tatsachen:

  • Unabhängigkeit der individuellen Einheiten:  Varianz der Summe = Summe der Varianzen  (keine Kopplung)
  • quadratische Addition der Streuung.  Die Varianz wächst linear mit N, aber die effektive Streuung (Standardabweichung) nur mit √N. 

Die Wurzel-Regel für die Varianz ist kein geometrischer Zufall, sondern Folge der quadratischen Struktur der Varianz<:

Die √N-Regel ist das Maß dafür,

wie sich viele elementare 0/1-Fluktuationen kollektiv verhalten.

In der kinetischen Theorie (z.B. Brownsche Bewegung, Diffusion) gilt analog: 

Die mittlere quadratische Weglänge wächst proportional zur Zeit:

 ⟨x²⟩∼ t


Daraus folgt:

typische Weglänge ∼  Wurzel  t

Das ist exakt dieselbe mathematische Struktur wie in der Statistik; weil auch hier viele kleine, unabhängige Zufallsstöße addiert werden. Jeder Stoß(Wechselwirkung) ist eine elementare Fluktuation und.die Gesamtveränderung entsteht durch quadratische Mittlung..


Sowohl in der Statistik als auch bei kinetischer Streuung gilt für viele unabhängige Mikroereignisse die lineare Addition der Varianzen und das Wurzelgesetz für die effektive Streuung
  • Physikalisch bedeutet das, dass sich ein Teilchen sich nicht proportional zur Zahl der Stöße bewegt sondern nur proportional zur Wurzel der Stoßzahl.
  • Statistisch bedeutet das, dass der Mittelwert nicht mit 1/N stabil wird sondern bereits mit 1/√N.

Es ergibt sich folgender Bezug zur 0/1 Bewusstseinsdynamik:

Elementare Setzungen (0/1) erzeugen Fluktuationen. Diese Fluktuationen addieren sich dynamisch und die „Geometrie“ (Streuung, Distanz, Unsicherheit) entsteht durch dieser Dynamik.

Die √N-Regel ist die emergente Metrik eines Systems aus unabhängigen Differenzen. 

d.h. metrische Eigenschaften (hier: Standardabweichung) sind Folge der Dynamik elementarer Prozesse.

Der Unterschied zur Physik liegt nicht im mathematischen Kern, sondern im ontologischen Status:

  • In der Statistik ist N meist Stichprobengröße.'
  • In der Kinetik ist N Anzahl realer physikalischer Wechselwirkungen.

Strukturell ist es derselbe Mechanismus:


Unabhängige additive Mikrodynamik → quadratische Aggregation → Wurzelgesetz auf makroskopischer Ebene.

Die statistische √N-Regel basiert also letztlich auf einer Streuungsdynamik im Raum und steht somit in struktureller Analogie zur kinetischen Streuung (Diffusion, Brownsche Bewegung). In beiden Fällen entsteht die beobachtbare Metrik nicht primär geometrisch,  sondern aus der Dynamik unabhängiger Entscheidungen.


3.3 Raum und Statistik

Das moderne Raumverständnis unterscheidet zwei Ebenen:

  • Raum als Nummerierungssystem (topologische Ordnung, Schaltplan)

  • Raum als physikalisches System (dynamisch wirksam, metrisch emergent)

Wesentlich ist dabei, dass Metrik die Folge der Dynamik ist nicht Voraussetzung.

Die Statistik lässt sich als „geometrischer Raum“ im Sinne der Nummerierung verstehen. In der angewandten Statistik beginnt alles mit Variablen; Indizes; Stichprobennummern; Beobachtungseinheiten: Das ist nichts anderes als ein abstrakter Koordinatenraum.

Beispiel: Person i; Merkmal j; Zeit t

Diese Indizes erfüllen exakt die Funktion, die dem geometrischen Raum zugeschrieben wird:. nummerieren von Teilsysteme, um Nachbarschaften und Abhängigkeiten erfassen zu können. Eine Datenmatrix ist im Grunde ein topologischer Schaltplan. Ordnung: entsprechend dem „Raum als Nummerierung“.

Im nächsten Schritt werden Nachbarschaftsbeziehungen konstruiert in dem manKorrelationen, Regressionen oder Kovarianzmatrizen bildet. Es entsteht ein Beziehungsraum.. Zwei Variablen sind „nahe“, wenn sie hoch korrelieren. Beobachtungen sind „nahe“, wenn ihre Merkmausprofile ähnlich sind. So wird Topologie konstruiert:
  • Clusteranalyse → Nachbarschaftsgruppen
  • Faktorenanalyse → latente Dimensionen
  • Netzwerkanalyse → Zusammenhangstruktur

Die Statistik erzeugt also ein strukturelles Raumgefüge –nicht physikalisch durch Wechselwirkung, sondern relational.

In der physikalischen Situation entsteht Metrik aus Dynamik. In der Statistik passiert etwas sehr ähnliches: Die Varianzstruktur (Dynamik der Zufallsprozesse) erzeugt Abstände im Datenraum.

Beispiel: Der euklidische Abstand zweier Beobachtungen ergibt sich aus der Quadratsumme ihrer Differenzen und diese Differenzen sind Ausdruck einer Streuungsdynamik. Das heißt: Die „Geometrie“ des statistischen Raumes wird durch die Dynamik der Daten erzeugt.

Nicht der Raum bestimmt die Beziehungen – sondern die Beziehungsstruktur erzeugt den Raum. Das ist exakt analog zur physikalischen Situation: . Metrik ist Folge der Dynamik (und nicht umgekehrt)

Auch die Doppelrolle des Raum-Begriffs findet sich in der Statistik:

  • Physik: geometrischer Hintergrund vs. physikalisch wirksames System

  • Statistik: Ereignisraum vs. Zufallsvariable, Verteilung, Prozesse

Der Wahrscheinlichkeitsraum ist das „Vakuum“ der Statistik. Er ist: leer als bloßer Ereignisraum aber dynamisch als Träger von Wahrscheinlichkeitsmaßen: 

Vakuum und der statistische Hintergrund entsprechen sich.

Wenn 0 und 1 elementare Differenzen sind,dann ist der Wahrscheinlichkeitsraum eine organisierte Struktur solcher Differenzen. Die Statistik rekonstruiert aus diesen Differenzen:

  • Varianz (quadratische Dynamik)
  • Kovarianz (gekoppelte Dynamik)
  • √N-Gesetz (Aggregationsdynamik)

Die „metrischen Eigenschaften“ des statistischen Raumes (z.B. Standardabweichung, Distanz, Informationsmaß) entstehen aus der Dynamik von Differenzen. D.h. Metrik ist nicht primär, sondern emergiert aus Transformationsregeln. Insgesamt gilt:

Geometrischer Raum (Nummerierung, Schaltplan)

Datenstruktur, Indizes, Variablenordnung

Topologischer Zusammenhang

Korrelationsstruktur, Netzwerkstruktur

Dynamik als Ursprung der Metrik
Varianz- und Kovarianzstruktur erzeugen Distanzbegriffe

Vakuum als physikalisches System

Wahrscheinlichkeitsraum als dynamischer Hintergrund

Die Statistik konstruiert keinen Raum, sie erzeugt Raum aus Beziehungen. Der statistische Raum ist kein Behälter, sondern eine Relationengeometrie, deren Metrik aus Streuungsdynamik entsteht.



4. Das Wurzelprinzip im Veda


Der Veda bestätigt die bewusstseinsbezogene Interpretation der mathematischen Operationen  .

Der vedische Begriff für Wurzel ist  Mūla und Wurzelziehen  ist Mula Karani oder mūlam āhṛ (aktive Wurzel ) , Samīkaraṇa-mūlam sind die Wurzel einer Gleichung (Nullstelle)n

Typisch für die vedische Sprache ist das vielschichtige Bedeutungsfeld von Mula

4. 1 Die Vier-Ebenen-Struktur der Wurzel


Ebene 1: 

Chit (reines Bewusstsein)


Transzendental vor aller Differenzierung
Entspricht dem absoluten Ursprung vor 0 und 1
Turīya (vierter Zustand jenseits von Wachen, Träumen, Tiefschlaf)


Ebene 2: 

Ahamkāra, (Wurzelprinzip)

Mūla als Soma
Unmanifestiert, potentiell, ganzheitlich
Ursprung aller Vielfalt
Erste Selbstunterscheidung: "Ich bin"
√ als mathematischer Ahamkāra: "Was mit sich selbst multipliziert ergibt x?"


Ebene 3: 

Erste Manifestation 

Soma als Ojas
Bietet Bausteine für alle Konstruktionen
Dhātu als erste Manifestation
in der Sprache: Wort-wurzeln Dhatu
(Dhātu) → Transformationsschritte
in der Mathematik: irreduzible Zahlen
(Primzahlen, i, π, e)..


Ebene 4: 

Generative Entfaltung

Vikara (Transformationen)
Abgeleitete, zusammengesetzte Formen
Sprache: Dhātu + Affixe → Wörter → Sätze → Texte
Mathematik: Wurzelzahlen + Operationen → Ausdrücke → Gleichungen → Theorien

In Āyurveda: 7  Dhātus (Gewebearten). Rasa, Rakta, Māṃsa, Meda, Asthi, Majjā, Śukra



4.2 Verstoffwechselung des Wurzelziehens

Es ist sehr befriedigend zu sehen, dass in der Vedischen Sprache die Annähetrung an die Wirklichkeit immer beide Blickwinkel einschließt den subjektiven und den objektiven.. 

Beim Wurzelziehen (√x), durchlaufen wir rückwärts von Vikāra (der konkreten Zahl x) über Dhātu (ihre Wurzeln √x) zurück zu Mūla (dem Prinzip der Wurzel).

Im Yoga entspricht das Pratyāhāra::Die Sinne (Zahlen) werden von ihren Objekten (Rechenoperationen) zurückgezogen  zum Ursprung (Mūla) – dem Ojas des  Zahlen-Metabolismus.

Der vedischen Kern:des Wurzelziehens ist die Rückkehr zu Soma..

Das Wurzelziehen hat also folgende universelle lebensrelevante Bedeutung:

"Die Wurzel ist die rückbezügliche Operation des Bewusstseins, die komplexe Strukturen auf ihren irreduziblen Keim zurückführt, aus dem die Strukturen durch Selbstwiederholung entstanden sind."

Die Wurzel ist für Schwellenphänomenen von besonderer Relevanz, denn das Wurzelziehen führt zur zugrundeliegenden Einheit zurück, Während das Potenzenzieren eine Verdichtung von Setzungen ist; führt die Wurzel auf die elementare Setzung: Die Wurzel führt  zur Grundordnung zurück:

x² → Wurzelziehen → x

Als Formal zusammengefasst:

Wurzel = LIMES{Komplexität → 0} (System) = Ursprungskeim


Epilog: Lob der vedischen Sprache

Die wissenschaftliche Forschung trägt nur dann dauerhaft zur kulturellen Entwicklung bei, wenn ihre Sprache eine Weiterentwicklung erfährt. Weiterentwicklung der Sprache bedeutet, sie ist Teil der Entwicklung, die im Bewusstsein stattfindet. Verändert sich das Bewusstsein, verändert sich automatisch auch die Sprache. Da Wissenschaft ein universelles, für alle Menschen gleichermaßen gültiges Bewusstseinsphänomen ist, erfolgt ihre Entwicklung relativ langsam, die nur dann eine Beschleunigung erfährt, wenn ein Schwellenzustand erreicht wird, an dem ein Sprung im Bewusstsein stattfindet.

Da die vedische Sprache aber dazu dient, die Bewusstseinsentwicklung darzustellen und dadurch zu fördern, wirkt sie in jeder Phase der Entwicklung zur Beschleunigung und zur Transformation der Sprache bei.

Der wichtigste Begriff aus unserem Alltag, der am dringendsten reparaturbedürftig ist, weil er Trennung vorgaukelt, wo in Wahrheit Verbindung herrscht, ist das „Ich“: Als Singular ist es die größte linguistische und psychologische Illusion unserer Zeit – ein „Sprach-Gefängnis“, das die physikalische Realität der Verbundenheit ignoriert. Erst wenn sich der Sprachgebrauch des ‚Ich‘ auf alle Mitmenschen und die ganze Natur ausweitet, werden Krieg und auch Krankheit zur biologischen Unmöglichkeit, weil Abgrenzung ständig durch Verbundenheit entschärft wird.

In einer Sprache, die die Einheit fördert, ist das „Ich“ kein abgeschlossener Punkt, keine isolierte Singularität, sondern ein Knotenpunkt in einem unendlichen Netzwerk. „Ich-Reparatur“ ist Heilung und Friedensstiftung, denn sie bedeutet seine unbegrenzte Erweiterung, nicht seine Überwindung oder Zerstörung, Die vedische Sprache liefert dazu mit dem Begriff von Soma den Prototyp zur vollständigen Kennzeichnung des Ichs als dem Erfahrenden:

Soma, ein Zentralbegriff der vedischen Literatur, wird als die Bindesubstanz des Universums bezeichnet: Er erhält das ewige Kontinuum reiner Existenz, das Feld reiner Potentialität, den unmanifesten, absoluten Zustand des Lebens. In diesem Feld des ewigen Kontinuums des Unmanifesten drückt sich Soma als unmanifeste Raum-Zeit-Geometrie aus und wird so der Ursprung der manifesten Raum-Zeit-Geometrie, die von A. Einstein als Grundlage aller manifesten Schöpfung ans Licht gebracht wurde. An der Schwelle zwischen dem sich nicht verändernden Unmanifesten und dem sich beständig verändernden Manifesten gibt Soma der Veränderung eine evolutionäre Richtung und erhält auf diese Weise gleichzeitig das Kontinuum des sich ständig verändernden relativen Lebens. Soma kann als eine Art feinstofflich-flüssiger Substanz oder als Impuls kreativer Intelligenz verstanden werden, der Körper und Geist, physische Existenz und Bewusstsein verbindet. Es ist der Fluss reinen Somas, der für das perfekte Zusammenspiel von Geist und Körper verantwortlich ist, die die vollständige Erkenntnis der Wahrheit entwickelt und höhere Bewusstseinszustände zur Entfaltung bringt.“ Maharishi Mahesh Yogi in seiner Erläuterung des 9. Mandalas des Rigveda, das ausschließlich  Soma gewidmet ist (1979)

Entsprechendes gilt für alle anderen lebensrelevanten Begriffe. Statt „Ich atme Luft“ bedarf es eines Wortes, das für jede Art von Atmungsvorgang gilt. so dass jeder versteht, dass Atmen nicht etwas ist, das nur ich tue, sondern etwas, das überall in der Schöpfung stattfindet, so dass mein Atem mit dem der gesamten Umwelt verwoben ist. Der vedische Begriff für Atem in seiner universellen Funktion ist Prāṇa.

Alle Worte und Ausdrücke der vedischen Sprache transportieren nicht nur die Idee der Verbundenheit,  sondern fördern durch ihre lautliche Struktur das Einfließen des Seins in den bewussten Geist,. So wird durch die vedische Sprache als Instrument, die Verbundenheit gelebte Wirklichkeit. Der Geist, insbesondere auch der der Gelehrten, wird durch die Dominanz des Zustands des Seins von überflüssigem mentalem und emotionalen Ballast „geleert“, so dass sich die ganze Natur ausdrücken kann. Dieser Prozess der Irrweg-Nullifizierung durch eine Sprache, die den  Grundzustand aller Erkenntnis fördert, kann in allen anderen Sprachen und Fachsprachen insbesondere in der Mathematik eine Transformation in Richtung Lebensrelevanz  bewirken..