Bewusstsein ist alles, was es gibt
Versuch einer Rezension von Tony Naders vielbeachtetem
Buch "Consciousness Is All There Is"(2024)
Helmut Brünger
6. März 2026
Aus dem Rundbrief des Verein ERZIEHUNG UND BILDUNG FÜR EIN LEBEN IM EINKLANG MIT DEM NATURGESETZ gemeinnütziger e.V. Zum Lengder Grund 33 A, 37130 Gleichen. Sprecher: Dr.Helmut Brünger. dr.helmut.bruenger@web.de
Motto:
"Ich bin Bewusstsein - du bist Bewusstsein -
all dies ist Bewusstsein; Bewusstsein ist alles, was es gibt."
Aus den Upanishaden.
Das Buch fand in der wissenschaftlichen Gemeinschaft starke Resonanz, und das aus gutem Grund: Einerseits wagt es hier ein Neurowissenschaftler von einem nicht-materialistischen Standpunkt ausgehend, ein völlig neuartiges und revolutionäres Denkmodell in die Diskussion einzubringen, andererseits verbindet er auf hochinteressante Weise psychologische, soziologische und kosmologisch-spirituelle Ansätze. Die grundlegende Arbeitshypothese ist dabei, dass nicht Materie die Basis von allem ist, sondern Bewusstsein.
Dabei zeigt er auf, dass dieses Denkmodell nicht nur uralte ungelöste erkenntnistheoretische Probleme der Wissenschaft auf elegante Weise löst, sondern darüber hinaus in sehr effizienter Weise praktische Anwendung findet: Es liefert praktikable Lösungen für die ungelösten Menschheitsprobleme, mit denen wir heute in der modernen Welt konfrontiert sind, etwa die Kostenlawine im Gesundheitswesen, Umweltzerstörung und -Vergiftung, unberechenbare Gefahren durch Missbrauch der KI, Suchtprobleme, Konfliktbewältigung mittels Gewalt, atomares Wettrüsten, die Risiken der Gentechnik, usw.
Ein Stück weit könnte diese Thematik direkt anknüpfen an unserem Thema des letzten Rundbriefs "Resilienz". Trotz zahlloser beeindruckender wissenschaftlich-technologischer Errungenschaften zeigt die heutige Zeit bekanntlich einen bedrückenden Mangel an Resilienz angesichts der ungelösten Probleme. Tony Nader zeigt auf, wie die Resilienz auf individueller und kollektiver Ebene durch bewusstseinsorientierte Maßnahmen gesteigert werden kann, und wie dadurch eine insgesamt höhere Lebensqualität entsteht.
Das Buch ist in leichtverständlichem Englisch geschrieben. Es eröffnet jedem Leser ein tiefes Verständnis dafür, wie die Synthese zwischen der uralten Vedischen Wissenschaft (des Bewusstseins) und der jüngsten modernen Wissenschaft (der Materie) unser aller Leben hier auf dieser Erde verbessert.
Tony Nader beginnt sein Thema dort, wo er selbst in seiner wissenschaftlichen Ausrichtung ursprünglich herkam: In der Neurowissenschaft, die im Rahmen seiner damaligen Fachkollegen durchgängig materialistisch interpretiert wurde. Er setzt sich also - beginnend mit der Neurowissenschaft - kritisch mit dem materialistischen Denkmodell der Wissenschaft auseinander, indem er seine inneren Widersprüche aufzeigt. Zugleich entwickelt er das bewusstseinsorientierte Gegenmodell und zeigt, dass auf dieser Grundlage eine stimmige, widerspruchsfreie Wissenschaft entstehen kann.
Zunächst stellt er die Frage, warum das ganze Thema "Bewusstsein" überhaupt bedeutsam ist. Nun: Unsere gesamte Subjektivität, alles, was in unserem Leben überhaupt irgendeinen Wert hat, alles, was wir schätzen, basiert ja auf Bewusstsein: Lebensfreude, kulturelle Errungenschaften wie Musik, Theater und Film, die Erfahrung von Freiheit, der ganze Reichtum, die ganze Komplexität und Würde des Menschseins. Ohne Bewusstsein und die grenzenlose Fülle seiner Inhalte wäre unser Leben öde. Mehr noch: Alles, was wir überhaupt erfahren, sei es als innere Gedanken und Emotionen, sei es als sinnliche Wahrnehmung der Außenwelt, basiert auf Bewusstsein. Ohne Bewusstsein wäre unser Leben schlicht und einfach nicht möglich. Wäre ohne Bewusstsein überhaupt die Wissenschaft möglich?
Und doch wird - im krassen Widerspruch dazu - das Thema "Bewusstsein" in der Wissenschaft nahezu ausgeblendet. Die materialistische Neurowissenschaft hält sich aus der ganzen Thematik heraus, indem sie sagt, das sei nicht ihr Gebiet. In den Grenzbereichen zwischen Neurowissenschaft und Psychologie gilt das Denkmodell, dass Bewusstsein ein Produkt der Gehirntätigkeit sei. Es gibt aber keine präzise und wissenschaftlich nachvollziehbare Analyse darüber, wie das Gehirn es zustande bringt, die Subjektivität des Menschen zu erzeugen, also jene eigentümliche Ich-Bin-Erfahrung, die doch jeder Mensch aus seinem Alltag kennt.
Es gibt allerdings seit etlichen Jahrzehnten außerhalb der neurowissenschaftlichen und psychologischen Fachbereiche tatsächlich eine Annäherung an die Bewusstseinsthematik, und das geschieht ausgerechnet dort, wo man es am wenigsten erwartet hätte: An den vordersten Fronten der modernen Physik - die doch eigentlich nach klassischer Auffassung die Materie-Wissenschaft per excellence ist. Die logische Gedankenkette ist dabei - nach Tony Nader - die Folgende: "Unsere Umwelt besteht aus Molekülen, Moleküle sind letztlich Atome, Atome sind letztlich Elementarteilchen, Elementarteilchen sind Wellenmuster, sie sind Epiphänomene von Quantenfeldern, Quantenfelder wiederum haben die Qualität von Bewusstsein". Mitgedacht ist hierbei die aus der Supergravitationstheorie sich ergebende Erkenntnis, dass ein "Unified Field", ein einheitliches Feld, die absolute und letztliche Basis von allem ist - also die Basis der Gesamtheit aller materiell-energetischen und auch aller mentalen Phänomene.
Diese Sichtweise, dass dem vermeintlich "Materiellen" letztlich etwas Nichtmaterielles zugrundeliegt, bekam in den letzten Jahrzehnten der Entwicklungen in der Quantenphysik immer mehr Unterstützung durch empirische Befunde. Hier ist als Beispiel insbesondere das Phänomen der "Verschränkung" zu nennen, das sich besonders deutlich zeigt, wenn durch einen Elementar-Akt - z.B. einem radioaktivem Zerfall - ein sog. "Zwilling" entsteht. Das kann etwa ein Elektron und ein Positron sein, die beide gleichzeitig entstehen und dann mit hoher Geschwindigkeit in entgegengesetzten Richtungen auseinanderfliegen. Ähnliche Zwillingsphänomene gibt es auch bei Photonen. Auch wenn es auf den ersten Blick paradox erscheint, zeigt der experimentelle Befund, dass die Änderung einer Messgröße - etwa des Spin - in dem einen Objekt des Zwillings simultan eine Änderung im anderen Objekt des Zwillings hervorruft, auch dann, wenn diese schon sehr weit voneinander entfernt sind. Dabei ist klar, dass die Objekte nicht miteinander "telefonieren" können. Bei Photonenzwillingen müsste ja die Information mit Überlichtgeschwindigkeit übertragen werden, was prinzipiell unmöglich ist. Woher "weiß" dann aber das andere Objekt, was im Zwillingspartner gerade geschieht? Die beiden Objekte verhalten sich - ohne Rücksicht auf die Entfernung - so, als wären sie EIN Quantenobjekt. Albert Einstein sprach hier von einer "spukhaften" Fernwirkung und glaubte lange Zeit nicht an diese Möglichkeit. Schließlich gaben aber die durchgeführten Experimente dann aber doch eindeutige Antworten. Es wird bei alledem deutlich, dass Teilchen in der Quantenmechanik auf eine Weise miteinander verknüpft sind, die unser klassisches Verständnis von Raum, Zeit und Kausalität in krasser Weise herausfordert.
In dem von Toni Nader entwickelten bewusstseinsorientierten Wissenschafts-Paradigma wird davon ausgegangen, dass im Universum alles mit allem verbunden ist, dass also die "Verschränkung" ein allgegenwärtiges Phänomen ist. Jedes Ereignis im Kosmos beeinflusst demnach jedes andere Ereignis im Kosmos. Aber auch unabhängig von dieser revolutionären Vorstellung, dass Bewusstsein die allseitig verschränkte universelle Basis aller mentalen und materiellen Phänomene ist, gibt es in der neueren Entwicklung der Quantentheorie und Quantenfeldtheorie zahllose Aussagen, die dem Bewusstsein einen besonderen Stellenwert beimessen. So sagte z.B. der britische Physiker James Jeans schon in den 1930-er Jahren: "Ich tendiere zu der idealistischen Theorie, dass das materielle Universum ein Produkt des Bewusstseins ist, nicht Bewusstsein ein Produkt des materiellen Universums. Ganz allgemein erscheint mir das Universum mehr wie ein großer Gedanke, als wie eine große Maschine". Der amerikanische Biologe und Nobelpreisträger George Wald hatte die Überzeugung, dass "Bewusstsein nicht als spätes Produkt der Evolution des Lebens anzusehen ist, sondern vielmehr immer schon existiert hat als Quelle und Grundbedingung jeglicher materiellen Realität; kurzum der 'Stoff', aus dem die physikalische Realität gemacht ist, ist 'Bewusstseins-Stoff' ".
In jener Epoche in der Entwicklung der Physik waren die führenden Wissenschaftler mit schier unauflösbaren Paradoxien konfrontiert. Derartige Herausforderungen sind aber nicht selten Ausgangspunkte für bedeutende revolutionäre Durchbrüche in der Wissenschaft. Interessant war die Art-und-Weise in der der österreichische Nobelpreisträger Erwin Schrödinger mit diesen Paradoxien umging. Er schlug vor, dass die moderne Physik die Erkenntnistheorie des klassisch-indischen Vedanta übernehmen solle. Dann würden sich nämlich die Paradoxien in nichts auflösen.
Es ist ja auffallend, dass es das Wort "Bewusstsein" nur im Singular gibt. Es gibt keine Bewusstseine (Plural). Das deutet direkt hin auf eine Kernthese des Vedanta: Es gibt nur ein Selbst. Es gibt nicht viele "Selbste" im Plural. Und dieses eine Selbst ist kosmisch, ist zugleich die Grundlage meines Seins und die Grundlage des Universums. Es gibt in diesem Zusammenhang die berühmte Aussage der Upanishaden "tat tvam asi" "Ich bin Bewusstsein - du bist Bewusstsein - all dies ist Bewusstsein; Bewusstsein ist alles, was es gibt." Schrödinger sah sogleich die Parallelen zwischen dem konsequent bewusstseinsorientierten klassischen Vedanta und der Quantenphysik. Die Subjekt-Objekt-Trennung, die für die klassische mechanistische Physik noch selbstverständlich gewesen war, wird in der Quantenphysik aufgehoben. Schrödinger plädierte für die Subjekt-Objekt-Einheit, wie sie im Vedanta die Basis war.
Nun zu der Frage, wie das bewusstseinsorientierte Wissenschaftsmodell von Tony Nader im Detail aussieht: Es gibt eine Reihe von grundlegenden Fundamentalaussagen für das bewusstseinsorientierte Pradigma:
- alles ist Bewusstsein
- sein bedeutet bewusst sein; damit existiert als allgegenwärtiges Phänomen eine grundlegende "Wachheit", "Registrierfähigkeit" im Universum, und zwar nicht nur im Bereich des Lebens, wo Organismen aufeinander reagieren, sondern auch schon auf der Ebene der Elementarteilchen mit den dort allenthalben vorhandenen Reaktionen, die sich z.B. als Anziehungs- und Abstoßungskräfte äußern.
- alles Manifeste existiert auf der Basis des Unmanifesten; dieses ist ein zeitloses Feld unbegrenzter Möglichkeiten; alles, was sich potenziell jemals manifestieren könnte, ist dort unmanifest vorstrukturiert. Dieses Unmanifeste ist kein philosophisches Konzept, sondern eine Erfahrungstatsache, es kann mithilfe geeigneter mentaler Techniken - insbesondere der Transzendentalen Meditation und dem TM-Sidhi-Programm - im Bewusstsein erfahren und untersucht werden. So gesehen kann es zum Gegenstand empirischer Wissenschaft werden. Im zweiten Teil des Buches geht Tony Nader ausführlich auf höhere Bewusstseinszustände ein, die über die erwähnten mentalen Techniken erreichbar sind. Es zeigt auch die Forschungsergebnisse auf, die im Zusammenhang mit diesen mentalen Techniken existieren, und zeigt auf, welche enorme Effizienz diese mentalen Techniken für die Lösung der ungelösten Menschheitsprobleme haben können.
- es existiert eine allgegenwärtige Verschränkung von allem mit allem, und diese ist verknüpft mit einer alles-durchdringenden Balance, die sowohl im Manifesten, als auch im Unmanifesten gilt.
- Wegen der allgegenwärtigen "Wachheit" und Interaktionsbereitschaft im Universum gibt es keine isolierten Objekte. Damit etwas Objekt wird, muss es ein Subjekt geben, das dieses Objekt wahrnimmt und damit ggf. interagiert. Zu existieren bedeutet: als ein Objekt von einem Subjekt in einem Interaktionsprozess beobachtet werden.
- Damit entsteht automatisch allenthalben das Triplett 1.Beobachter (=Subjekt) / 2.Beobachtetes (=Objekt) /3.Beobachtungsvorgang. Ein Bit Bewusstsein ist mit diesem Triplett definiert als Grundeinheit von Bewusstseinsprozessen.
- Objekte gelten nur als "real", wenn sie innerhalb eines solche Tripletts sind. Objekte außerhalb eines Tripletts, also Objekte, die nicht von einem Subjekt beobachtet werden, gelten als "virtuell"
Im bewusstseinsorientierten Wissenschaftsmodell wird davon ausgegangen, dass Bewusstsein wie ein unendlicher Ozean reinen Gewahrseins ist, sowohl räumlich wie auch zeitlich unbegrenzt - ein zeitloser Ozean, in dem alles enthalten ist. Die unzähligen materiellen und mentalen Phänomene sind nicht "Produkte" von Bewusstsein, sondern Erscheinungen im Bewusstsein. Bewusstsein erscheint als Materie oder als Gedanke, ohne dabei aber seinen Status als Reines Gewahrsein zu verlieren. Man kann es vergleichen mit den Wellen auf der Meeresoberfläche - oft eindrucksvolle vielgestaltige Wellenmuster. Man darf dabei aber nicht übersehen, dass Wasserwellen niemals isoliert existieren können, sie sind letztlich veränderliche Muster, die auf der Oberfläche des Meeres erscheinen, und nicht vom Meer getrennt gesehen werden können. Sinngemäß: Das Meer verliert nicht seinen Status als das Meer - auch dann nicht, wenn es in Form von Wellenmustern erscheint.
Die Grundlage von Bewusstsein ist - seltsamerweise - das NICHTS. Das erscheint paradox, denn das Nichts kann weder Subjekt noch Objekt sein. Es kann nur als Begriff vorkommen aber nicht als Faktum. Tony Nader zieht die Mathematik als Erklärungshilfe heran. In der Geometrie ist die kleinste Entität der Punkt. Der Punkt hat aber den Durchmesser Null, ist also ein Nichts. Viele Punkte in gerader Linie aneinandergereiht ergeben eine eindimensionale "Gerade" von potenziell unendlicher Länge. Die Breite der Gerade ist Null. Lässt man die unendlich vielen Punkte der Gerade in die Seite "ausufern", dann kommt man zu einer zweidimensionalen Fläche, die potenziell unbegrenzt ist, und wenn man die Punkte der Fläche nach oben und unten "ausufern" lässt hat man den dreidimensionalen Raum. Der Raum muss nicht leer sein, er kann eine unbegrenzte Zahl von zwei- und dreidimensionalen Objekten in sich enthalten, etwa Dreiecke, Kreise, Ellipsen, Würfel und Kugeln. Denkt man sich im Raum ein "aufgespanntes" Koordinatensystem, dann sind unendlich viele Objekte im Raum einerseits lokalisierbar, andererseits stehen auch in einem Bezug untereinander - da gibt es Abstände und Winkel der Orientierung im Raum. Man sieht: Eine unendliche Fülle - und alles das besteht aus Punkten, und jeder Punkt ist ein NICHTS.
Die Frage, wie aus dem Nichts etwas hervorgehen kann - das noch im Unmanifesten verbleibend - eine unendliche innere Dynamik entfaltet, die dann später im Zuge der Manifestation die unzähligen Strukturen und Prozesse der real vorhandenen Schöpfung hervorbringt, wird erklärt mit dem Vorgang der "kaskadenartigen Entstehung von Vielheit".
Es muss hier vorausgeschickt werden, dass im Unmanifesten keine Zeit existiert, alles geschieht in einer zeitlosen Sphäre ewiger Gegenwart. Wenn es hier im Text trotzdem wie eine zeitliche Abfolge dargestellt wird, liegt das ausschließlich an der Begrenzung unserer Sprache und unserer Wahrnehmungsweise.
Da Bewusstsein bewusst ist, erfordert es die Dreiheit von Beobachter (1), Beobachtungsvorgang (2) und Beobachtungsobjekt (3). Da es in diesem frühen Stadium noch nichts gibt, was das Selbst beobachten könnte, wird es auf sich selbst zurückgeworfen - Das Selbst (Subjekt) sieht das Selbst (Objekt). Hier ist die Dreiheit ein Zustand von reinem Selbstbezug - eine Singularität. Nun können sich allerdings Schwerpunkte bilden, indem das Selbst verschiedene Rollen einnimmt: Es entstehen verschiedene Spielarten. Die Dreiheit kann z.B. mit Schwerpunkt auf dem Subjekt auftreten. Oder der Schwerpunkt liegt im Vorgang der Beobachtung, oder er liegt im Objekt. Weiterhin können sich Unter-Schwerpunkte bilden, z.B. der Im Subjekt liegende Schwerpunkt betrachtet die innere Beziehung zwischen Beobachtungsvorgang und Objekt. Oder das Objekt nimmt die Rolle eines neuen Beobachtungs-Subjekts an und betrachtet aus dieser Perspektive die innere Verbindung zwischen dem Selbst und dem Beobachtungsvorgang. Die jeweils neu entstehenden Perspektiven werden wiederum modifiziert von vorausgegangenen Perspektiven, usw. usw. In dieser Weise kaskadiert Bewusstsein von Perspektive zu Perspektive ad infinitum. Und mit explosionsartiger Geschwindigkeit entsteht eine unendliche Vielheit innerhalb des Unmanifesten. Das Unmanifeste ist – als ein Feld unendlicher Möglichkeiten – selbst in ewiger, zeitloser Unveränderlichkeit, und doch die Grundlage aller ständigen Veränderungs-Dynamik des Kosmos.
Man sieht: Die anfängliche Singularität, von der alles ausgeht, ist zwar ein NICHTS, aber letztlich ein Nichts, das in Wirklichkeit ALLES ist. Auch in der manifestierten Schöpfung ist die Strukturfülle nicht limitiert durch ihren Inhalt, denn ihre Potenziale sind unendlich.
Die Art, wie das Unmanifeste sich im Manifesten ("Relativen") als Schöpfung konkretisiert, wird von Tony Nader in einer Abbildung wie zwei Pyramiden dargestellt, die in der Grundfläche einander berühren: Eine aufrechte Pyramide, deren Spitze sich oben befindet und eine „umgekehrte“ Pyramide, die von der gemeinsamen Berührungsfläche aus nach unten zeigt, so dass ihre Spitze sich ganz unten befindet. Die untere Pyramide stellt das Unmanifeste dar, die obere das Manifeste. An der untersten Spitze befindet sich die ursprünglichste Singularität, in der das SELBST dem SELBST (also sich selbst) begegnet, weil dort nichts anderes ist. So entsteht das ursprünglichste Bit Bewusstsein, das ursprüngliche Triplett. Von dort ausgehend bilden sich nach oben hin zahllose Perspektiven mit unterschiedlichen Schwerpunkten, und es beginnt eine kaskadenhafte Entstehung einer unendlichen Vielfalt – die „explosionsartige“ Dynamik, die mit unendlicher Geschwindigkeit zur Strukturierung von innerer Fülle führt. Der innere Raum der unteren „umgekehrten“ Pyramide stellt das Absolute als Feld unbegrenzter Möglichkeiten dar.
Der „Motor“ der Entstehung unendlicher Dynamik und unendlicher Vielfalt innerhalb des Absoluten ist die allgegenwärtige Tendenz des Bewusstseins, „sich selbst zu entdecken“. Die gesamte Manifestation in der Relativität ist letztlich die Fortsetzung dieser Selbstentdeckungs-Tendenz. Während im Absoluten noch alles den Charakter von Unbegrenztheit hat, hat das Bewusstsein im Rahmen der Manifestation die Möglichkeit, „Rollen zu spielen“, die nur noch begrenzte Möglichkeiten haben und nicht mehr die Ganzheit repräsentieren. Indem das Bewusstsein sich mit solchen Rollen total identifiziert, erlebt es sich z.B. als Gorilla, oder als Mensch, oder als ein Insekt, oder als Tintenfisch und hat so die Möglichkeit, sich selbst auch innerhalb solcher Begrenzungen zu erfahren. Die Selbstentdeckung der Absoluten wird erst dadurch komplett, dass das Absolute sich nicht nur in der Unbegrenztheit, sondern auch in solchen Identifikationen innerhalb begrenzter Rollen erlebt. Es ist gewissermaßen so, dass das Absolute „neugierig ist“, zu erfahren, wie sich das Leben in so einer begrenzten Rolle anfühlt.
Aber ein grundlegendes Merkmal aller dieser begrenzten Existenzformen im Relativen ist, dass nichts so bleibt, wie es ist. Alles entwickelt sich weiter, angetrieben von der Kraft der Evolution, die ständig in Richtung Höherentwicklung arbeitet. Die Selbstentdeckung des Absoluten innerhalb „begrenzter Rollen“ ist also auch immer eine Entdeckung der Art-und-Weise, wie sich jenes Begrenzte höherentwickelt.
In der von Tony Nader gewählten Abbildungsweise in Form zweier Pyramiden ist also der Inhalt der (auf Relativität bezogenen) oberen Pyramide die Dynamik der Höherentwicklung all der unzähligen Bewusstseinsformen, die noch „begrenzte Rollen“ zu spielen haben.
Wie sich in der menschlichen Gesellschaft diese Begrenztheit auswirkt, ist bekannt: Die ungelösten Menschheitsprobleme, mit denen wir heute in der modernen Welt konfrontiert sind, z.B. Umweltzerstörung und -Vergiftung, unberechenbare Gefahren durch Missbrauch der KI, Suchtprobleme, Konfliktbewältigung mittels Gewalt, atomares Wettrüsten, die Risiken der Gentechnik, usw, sind eine Folge der Tatsache, dass Menschen im Durchschnitt noch nicht die höchste Entwicklungsstufe erreicht haben, sondern sich in irgendeinem Zwischenstadium ihrer Höherentwicklung befinden.
Zum Glück lässt sich die Höherentwicklung des Menschen beschleunigen. Im letzten Teil des Buches zeigt Tony Nader auf, wie die oben erwähnten mentalen Techniken Transzendentale Meditation und TM-Sidhi-Programm das geistige Potenzial der Menschen entfalten. Darüberhinaus wirken diese Techniken auch auf die Gesellschaft, indem sog. „Feldeffekte“ des Bewusstseins erzeugen. Die oben beschriebenen Probleme der heutigen Zeit werden auf dieser Basis lösbar. Ein wichtiger Faktor ist dabei die verbesserte Wachsamkeit und die damit verbundene Fähigkeit, Gefahren rechtzeitig zu erkennen. Andere Probleme von mehr globaler Natur wie internationale Konflikte, die zu Kriegen führen, können mittels der Feldeffekte des Bewusstseins neutralisiert werden, wie großangelegte Untersuchungen im Rahmen der Konfliktforschung gezeigt haben.
Tony Nader gibt seiner Hoffnung Ausdruck, dass sich das bewusstseinsorientierte Wissenschaftsmodell aufgrund seiner Überlegenheit gegenüber der materialistischen Weltsicht allmählich durchsetzen wird. Diese Überlegenheit diagnostiziert Tony Nader sowohl aus erkenntnistheoretischer wie auch aus praktischer Sicht.